Geschichten in der Kiste

Geschichten in der Kiste 

ein Gastbeitrag von Ruth Dobias und ihrer Klasse

Wenn es draußen kalt und regnerisch ist, die Regentropfen gegen die Fensterscheiben prasseln und drinnen das Feuer im Kamin knistert, dann ist das die beste Zeit für eine Geschichte. Und so konnte man an eben solch einem Septembertag in unserer Bibliothek den Geschichten der Kinder aus der Klasse 5a lauschen. Zugehört wurde den Kindern aufmerksam und gespannt – einmal von ihren eigenen Mitschülern, dann aber auch, und das war etwas ganz Besonderes, von fünf Schülern der Oberstufe.

Die Kinder der Klasse 5a haben allesamt spannende, interessante und auch lustige Geschichten geschrieben und diese fantasievoll in Kisten im 3D-Format illustriert.

Nachdem die Schüler selbst eine Vorauswahl der besten Geschichten getroffen hatten, wurden die Geschichten der Schüler, die ins Finale gekommen waren, den Oberstufenschülern vorgelesen. Denn nun sollten die Großen das Wort haben und die besten Autoren küren.

Leicht fiel es den Elftklässlern nicht, die drei besten Autoren zu bestimmen, denn jede der Geschichten war tatsächlich etwas ganz Besonderes. Und doch musste am Ende eine Entscheidung gefällt werden. Dabei spielte zunächst die Geschichte die wichtigste Rolle, aber auch der Vortrag sowie die Geschichtenkiste wurden bewertet.

Hier seht ihr die Sieger: Magdalena, Leonie und Miriam

Die Finalisten …

… und das Jurorenteam!

Antolin – Einfach eine Fleißaufgabe oder noch mehr?

„Nein, es ist nicht nur eine Fleißaufgabe, für mich ist Antolin zur Routine geworden.“ So beschreibt Sophia aus Klasse 7a ihre Motivation, seit Jahren bei Antolin mitzumachen. Antolin bedeutet für sie vor allem eines: „Abwechslung vom Alltag und ein Sich-noch-einmal-Einfinden in das gelesene Buch“.

Dank der Unterstützung des Fördervereins konnten sich die drei Punktebesten Julia Blum aus Klasse 8b mit 36.064, Sophia Rothe aus Klasse 7a mit 32.575 und Sophia Jaumann aus Klasse 8b mit 9559 Punkten über Büchergutscheine freuen. Die Siegerklasse 8b erhielt Eisgutscheine und den Klassenpokal Antolin.

Nun geht das Punktesammeln bei Antolin in die nächste Runde und es wird sich am Ende der Sommerferien zeigen, ob die diesjährige Unterstufe das tolle Ergebnis von insgesamt 187.293 Punkten und 4.160 bearbeiteten Büchern noch toppen kann!

Der Klassenpreis wurde voller Freude entgegengenommen. Schulleiterin Frau Ursula Weger (rechts) und Antolin-Organisatorin Frau Gerda Saxl (links) beglückwünschten die Schüler.

Besonders freuten sich mit Frau Weger (links) und Frau Saxl (rechts) die Punktebesten Julia Blum, Sophia Rothe und Sophia Jaumann.

Lyrisches zum Nachdenken: Der Rosenjunge

Mit ihrem leichten Käppchen

und dem dünnen Jäckchen,

ihren Glücksbringer immer in ihrem Täschchen,

etwas, das sie von ihren Eltern besaß

und deshalb nie vergaß,

machte sie sich auf den Weg.

An Geschäften und Häusern vorbei,

in die Schule hinein.

Sie war sehr fleißig,

doch hatte sie keine Eltern, die ihr halfen dabei.

Denn sie kam aus dem Kinderheim.

Seit sieben Jahren, seit sie lebte, wohnte sie hier

und manchmal fühlte sie sich einsam an,

ständig allein in einem Zimmer zu sein.

Sie dachte sich oft, die Angestellten hätten nie

wirklich Zeit für ein Kind allein.

Sie setzte sich in ihre Bank,

holte ihre Stifte und Bücher heraus.

Wie jeden Tag.

Auch er verlief ohne Anstrengung, ohne Chaos.

Bei Schulschluss ging sie hinaus.

Die Kinderheimerzieherin wartete schon darauf.

Irgendwie sah sie schon wieder gestresst aus.

Die Erzieherin machte sich schon auf den Weg zur Bushaltestelle.

Die Kleine verabschiedete sich noch von ihren Freundinnen auf die Schnelle.

Da merkte sie es wieder.

Neben ihr stand eigentlich eine völlig fremde Frau. Ihre Erzieherin.

Während sie warteten, hatten sie sich kein einziges Mal angeschaut.

Sie waren sich zu fremd,

nie hatten sie einander wirklich kennengelernt.

Sie fuhren nur gemeinsam „Heim“.

Aber eigentlich konnte sie das doch allein.

Sie war zwar erst sieben,

aber was konnte ihr im Bus schon passieren?

Sie war heute auch allein zur Schule gegangen,

vielleicht war es den Erziehern gar nicht aufgefallen.

Jetzt telefonierte die Erzieherin.

Sie ging auf und ab.

Es war ein ernstes Gespräch,

das konnte sie an der Mimik sehen.

Sie entfernte sich immer mehr von ihr.

Plötzlich spürte sie ein Zupfen an ihrem Ärmel.

Sie drehte sich um

und erblickte einen Jungen.

Sie schaute ihn an,

in der Erwartung, er würde zum Reden anfang`.

Doch er stand schüchtern da.

Und da entdeckte sie die Rose in seiner Hand.

Sie sah wieder ihn an,

dann fing er endlich zu Sprechen an:

„Ich finde dich hübsch

und die ist für dich, nur ein Geschenk, das dir zeigt,

wie sehr ich dich mag.“

Lyrisches zum Nachdenken: Das Mädchen, das nach Glück suchte

Ich kannte mal ein Mädchen,

es wünschte sich Glück

und war darum ständig verträumt,

kein Wunder also, wenn sie es versäumt.

Sie lebte in ihrer eigenen Welt,

denn dort hatte sie viel Erfolg und eine Menge Geld.

Das große Glück also, wie das Mädchen dachte,

doch was sie nicht wagte, war es aufzuwachen.

Das Glück ist ein riesiges Stück,

das dachte sie.

Und so lag sie da,

Tag für Tag,

bis ihr Traum vom Glück irgendwann zu groß war.

Da kam eine Fee in ihr Zimmer,

sie merkte, dass die Träume des Mädchens vom Glück wurden

immer größer und schlimmer.

„Wach auf, wach auf,

geh hinaus!

Du verschwendest nur Zeit.

Zeit zum Treffen, Zeit für Gemeinsamkeit.“

Das Mädchen hörte nicht drauf

und malte sich weiter seine Träume aus.

Nach Schulschluss am nächsten Tag an der Bushaltestelle

sah es bei ein paar Mädchen einen Hauch Feenstaub.

Die Fee flog herbei.

„Merkst du nicht,

wie allein du bist?

Dass sich keiner mehr für dich interessiert?

Du lebst nicht nur in deiner Welt.

Hast keinen Erfolg und kein Vermögen an Geld!“

Und da war es auf einmal wach.

Und es fühlte sich allein auf diesem Platz.

Sie kannte diese Leute nicht,

sie gehörten nicht zu ihrer Welt,

sie gehörten zu der echten Welt.

Sie rannte in eine einsame Straße,

wo sie keiner sah,

ließ sich schniefend fallen auf eine Bank.

Was hatte sie nur für einen Fehler gemacht?

Den Kopf in den Knien,

weinend und schniefend,

verletzt und zerbrochen.

Was hatte sie in dieser Welt schon verloren?

Doch auf einmal war sie nicht mehr allein,

sie blickte auf und sah in fremde Augen hinein.

Fremd, aber warm.

Mitfühlend und klar.

Die Person legte ihre Hand auf ihre.

Und dann hatte das Mädchen es endlich kapiert.

Sie hatte verstanden, was Glück war.

Sie lächelte scheu, ganz zart

und bemerkte dann, dass auf der Person Feenglanz lag.