Reihe „Nachhaltig leben“: Wie umweltfreundlich ist das E-Auto wirklich?

Die Klasse 9b hat im Rahmen ihres SoG-Unterrichts ein Projekt auf die Beine gestellt. Es umfasst fachliche Artikel rund um den Themenbereich „Nachhaltig leben“. Artikel dazu erscheinen hier regelmäßig auf der Schülerzeitungsseite. Viel Spaß beim Lesen!

Wie umweltfreundlich ist das E-Auto wirklich?

ein Artikel von Nestor Danilov, 9b

Zurzeit wechseln viele Menschen zum E-Auto, um mehr bei der Erhaltung der Umwelt zu helfen. Aber haben sie sich je gefragt, wovon die Batterien und Motoren der E-Autos hergestellt werden und wie umweltfreundlich es wirklich ist? Wenn man dieser Frage nachgeht, findet man heraus, dass E-Autos nicht so umweltfreundlich sind, wie sie meist dargestellt werden.  

Allein für die Herstellung der Batterie benötigt man nämlich Metalle wie Nickel, Graphit, Mangan und Lithium, das man schwer erwerben kann, weil die Salzseen, wo es vorzufinden ist, eine extrem geringe Luftfeuchtigkeit und erbarmungslose Sonneneinstrahlung haben, was zu schwierigeren Arbeitsbedingungen führt. Auch Kobalt wird für die Batterieherstellung gebraucht und es kann wohl möglich sein, dass das Kobalt, welches genutzt wird, von Kinderarbeit in Minen aus Kongo kommt. Für den Motor werden seltene Erden wie Neodym, der fast ausschließlich in China gefördert wird, verwendet. Neodym und andere seltene Erden stammen hauptsächlich aus der riesigen Mine ,,Bayan Obo”, die immense Umweltprobleme verursacht. Genau wie bei der Herstellung der Batterien gibt es auch bei ihrer Zerlegung Probleme. Verschiedene Modelle führen dazu, dass man nicht weiß, wie man jedes Modell optimal zerlegen kann. Zurzeit können nämlich nur Nickel und Kobalt entnommen werden und recycelt werden, das Lithium nicht. Um dies zu ermöglichen, investiert zum Beispiel die Oberpfalz rund 10 Millionen Euro in eine Recycling-Anlage, die 99% des Batterieinhalts wiederverwerten soll. Solche Probleme mit der Zerlegung und Wiederverwertung der Batterien gibt es bei Verbrennerfahrzeugen nicht, weil für sie bereits eine einheitliche Batterie standardisiert wurde.

Man kann aber auch den CO2-Abdruck eines Verbrennfahrzeugs, mit dem noch nicht gefahren wurde, mit dem von einem noch nicht gefahrenen E-Auto vergleichen und feststellen, dass das Verbrennfahrzeug zu dem Zeitpunkt einen kleineren CO2-Abdruck hat. Aber um die zwei Abdrücke auch nach viele gefahrenen Kilometern noch vergleichen zu können, muss man sich anschauen, woher der Strom kommt, der das E-Auto antreibt.

Wenn man sich das Thema genauer anschaut, merkt man, dass nicht alles, was die Hersteller sagen zu 100% wahr ist, weil das E-Auto nicht so umweltfreundlich ist, wie man es sich vermeintlich verspricht. In 2018 stammten zum Beispiel 35% der für E-Autos verwendeten Energie nicht von erneuerbarer Energien (das sind beispielsweise Wind-, Sonnen- oder Wasserkraftenergie), sondern durch die Verbrennung von Braun- beziehungsweise Steinkohle und fast 12% von Kernenergie. Trotzdem hat das Verbrennfahrzeug nach mehreren tausend gefahrenen Kilometern einen gerade mal doppelt so großen CO2-Abdruck wegen der Abgase, die es schlussendlich täglich ausstößt.

Es ist aber auch höchst wahrscheinlich, dass die E-Autos in nächster Zeit umweltfreundlicher werden, weil an der Universität von Harvard an einem Model gearbeitet wird, von dem man das Lithium besser wiederverwerten kann und das Auto gleichzeitig eine längere Lebensdauer bekommt. Dieses neue Model würde den Unterschied im CO2-Abdruck zwischen Verbrenn- und Elektrofahrzeug im positiven Sinne vergrößern. 

Wenn man also der Umwelt auch selber mehr helfen will oder einen kleineren CO2-Abdruck haben möchte, sollte man grundsätzlich lieber auf ein E-Auto umsteigen, statt ein Auto zu fahren, das Benzin oder Diesel verwendet. Dies bedeutet aber, wie schon gesagt, nicht, dass das E-Auto wirklich absolut umweltschonend ist, vor allem wenn man sich die Herkunft seiner Rohstoffe oder Energie näher anschaut. 

Quellen: https://www.efahrer.chip.de ; https://www.tagesscheu.de ; https://www.allego.eu ; https://www.energieloesung.de