Das THW im Interview: Mehr als nur eine Katastrophenschutzorganisation

ein Gastbeitrag von Aida Hadzic

Bei Sturmschäden, Bränden und Überschwemmungen sind sie die, die Risiken lindern oder eng mit anderen Organisationen wie der Feuerwehr zusammenarbeiten, um die Bevölkerung zu schützen. Auslandeinsätze, um den Menschen zu helfen, die die Hilfe am meisten benötigen, sind seit Jahrzehnten tief in ihrer Organisation verankert.

Heute kann das Technische Hilfswerk auf über siebzig Jahre Erfolgsgeschichte zurückblicken, wo es sich an ihre 10 Leitlinien stets hielt und seine Einsatzgebiete immer wieder erweiterte und damit einer breiten Masse an Menschen verlässlich, auch professionell, Schutz gewährte. Als Peter Lummitzsch das THW 1950 gründete, hat er nicht erahnen können, welche Ausmaße diese Organisation annehmen würde in nur ein paar Jahrzehnten, aber dennoch betonte er bis zu seinem Tod 1962 “wie notwendig, ja unentbehrlich das THW im Rahmen der Schutzeinrichtungen für Leib und Leben, für Hab und Gut der Bevölkerung” sei.

Derzeit sind über 83.000 Menschen verschiedener Altersgruppen, Spezialisierungen und Kenntnisse beim THW tätig, aber eines haben die meisten von ihnen gemeinsam: Sie engagieren sich freiwillig für das Wohl der Bevölkerung. Konkret sind es 98%, welche zusätzlich nach ihrer Uni, Ausbildung oder Arbeit noch gemeinsam dort anpacken, wo ihr breites Technikwissen, welches sie sich in Laufe der Jahre aneignet haben, gebraucht wird. Einer der Ehrenamtlichen ist der 21-jährige Alexander Auerswald, der vor 11 Jahren, durch den Einfluss seines Vaters, bei der THW-Jugend in Landshut als Junghelfer angefangen hat und sich heute immer noch mit Überzeugung aktiv bei Einsätzen von der Bergungsgruppe des THWs sowie als stellvertretender Jugendbeauftragter bei der THW-Jugend engagiert. Als stv. Jugendbeauftragter ist er mit seinem Team für die Organisation von Übungen, Treffen oder Ausflügen zuständig, um den jungen Freiwilligen im Alter von 10 bis 17 Jahren spielerisch das Helfen zu lernen.

Alexander Auerswald im Interview

Auf den Websites der THW-Jugend wird oft erläutert, dass die Kinder bzw. Jugendlichen etwas über Technik oder den Ablauf der Einsätze lernen und zudem gleichzeitig Spaß haben können. Wie sieht das in der Praxis aus?

Jeden Mittwoch treffen sich die Jugendbeauftragten zeitverschoben mit den zwei Gruppen, die nach Alter unterteilt sind, und wie schon gesagt wurde, erfahren sie etwas über Technik und den THW-Einsatzverlauf. Uns ist es besonders wichtig, dass beide Gruppen, sprich die 10- bis 14-Jährigen und die 14- bis 17-Jährigen, Spaß dabei haben. Beispielsweise spielen wir besonders mit der jüngeren Gruppe manchmal Fußball oder stellen sie vor Herausforderungen, in welchen sie gegeneinander antreten, und die Gewinner bekommen Süßigkeiten. Sie lernen auch Verantwortung zu übernehmen, indem wir ihnen kleinere Führungsrollen geben, im Rahmen derer einer von ihnen für eine bestimmte Zeit der Ansprechpartner für die anderen Kinder ist. Im Vordergrund jedoch steht bei den Junghelfern die technische Ausbildung, die an den Aufgaben des THWs angepasst ist. Die Gruppen lernen, wie sie einen Feuerlöscher benutzen und gleichzeitig in der Praxis anwenden, welche Rettungsmöglichkeiten es gibt oder wie die Rettungsgeräte Schere und Spreizer angewendet werden sollen, um verschüttete oder eingeklemmte Personen zu befreien.

Was sind die Vorteile oder was denken Sie, schätzen die Junghelfer besonders an der THW-Jugend?

Sie werden vor allem mit der Zeit selbstbewusster und erhalten hier die Möglichkeit, enge Freundschaften mit Gleichaltrigen zu schließen, die ähnliche Interessen haben. Es macht ihnen auch Spaß, da wir bei unseren wöchentlichen Treffen ihre Wünsche miteinbeziehen, sofern es möglich ist. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Wissen, das man hier bekommt, auch im alltäglichen Leben angewendet werden kann und es nicht nur beim THW verwendbar ist.

Ab dem 17. Lebensjahr ist man schon zu alt für die THW-Jungend, wie kann man sich für das THW dennoch engagieren?

Man kann ab 17 Jahren eine dreimonatige Grundausbildung absolvieren beim THW, im Rahmen derer die Grundlagen beigebracht werden, welche man haben muss, bevor man sich weiter spezialisieren kann, um ab 18 Jahren bei den Einsätzen mitzufahren. Im THW gibt es verschiedene Einheiten, denen man beitreten kann, aber dafür muss man sich für eine Fachausbildung entscheiden. Es gibt zum Bespiel die Fachgruppe „Wassergefahren“, welche Menschen vor dem Ertrinken rettet an der Isar oder die Fachgruppe „Wasserschaden/Pumpen“, die bei Hochwasser in Landshut eingesetzt wird, um Keller leer zu pumpen. Sie war beispielsweise besonders im letzten Jahr im Einsatz, wenn es in der Altstadt zu Überschwemmungen gekommen ist.

Ist ein FSJ oder BFD beim THW möglich?

Ein Freiwilliges soziale Jahr oder ein Bundesfreiwilligendienst ist auf Nachfrage grundsätzlich möglich, aber dann wird man eher im Büro beschäftigt sein oder bei Veranstaltungen des THWs mithelfen als bei Einsätzen mitzufahren, da einem das Fachwissen fehlt. Die Grundausbildung und Fachausbildung sind die Voraussetzungen, um bei Notfällen, Gefahren oder Katastrophen mitzuwirken.

Menschen zu helfen, Nächstenliebe und Spaß an der Arbeit mit Kindern, sind Faktoren, welche Alexander Auerswald tagtäglich antreiben, sich beim THW zu engagieren. Durch seine Arbeit als stv. Jugendbeauftragter erfüllt er eine Vorbildfunktion für technikbegeisterte Kinder bzw. Jugendliche, die später vielleicht selbst, wie er, bei Einsätzen dabei sein werden, die Menschenleben retten oder die Stadt Landshut schützen und das Leben der Bewohner insgesamt erleichtern. Das THW prägt stets auch die junge Generation, hilft und rettet, was es zu einigem mehr macht als nur zu einer Katastrophen- und Zivilschutzorganisation!