Lexikonartikel: Die echte Wespe – manchmal Plagegeist, aber sehr nützlich!

Die „echten Wespen“ sind eine Unterfamilie der Faltenwespen (Vespiade)  mit weltweit 61 Arten. In Mitteleuropa sind elf dieser vertreten, unter anderem die Gemeine Wespe die Deutsche Wespe und die Hornisse. Die echte Wespe unterscheidet sich nicht sehr von den Faltenwespen, ist aber im Durchschnitt größer. Die echte Wespen sind eine relativ artenarme Gruppe, die ursprünglich nur in Europa, Asien und Nordarmerika vorkam. Mittlerweile wurden einzelne Arten auch nach Südamerika und Australlien verschleppt.

Die Ernährung:

Adulte, also ausgewachsene Echte Wespen, ernähren sich überwiegend Nektar, Pollen, Steinfrüchte, Pflanzensäfte, tierische Stoffe und Insekten. Die Larven werden mit Fleisch von toten oder erbeuteten Tieren gefüttert, wobei die Nahrungsquellen hier sehr vielfältig sind.

Verteidigung und Angriff:

Zur Überwältigung und Lähmung einer möglichen Insektenbeute oder zur Abwehr eines Störenfriedes oder Angreifers benutzen die Wespen ihren Stachel. Im Gegensatz zu den Bienen können sie aufgrund anatomischer Unterschiede des Stachelapparates beliebig oft zustechen und dabei ihr Gift einspritzen. Der Stichreflex ist selbst bei zerteilten oder gerade verendeten Tieren teilweise noch vorhanden. Die natürlichen Feinde der echten Wespe sind der Wespenbussard, die Libelle, der Neuntöter, die Gartenkreuzspinne, die Libelle und die Schlupfwespe, die ihre Eier in die Larvenkammern der Wespen ablegen und deren Larven dann als Parasitoide die Wespenlarve töten.

Das Nest:

  • Wespennester bestehen aus einer papierartigen Masse. Ausgangsmaterial für den Nestbau ist morsches, trockenes Holz, das zu Kügelchen zerkaut wird. Die Nester sind bei Hornissen nach unten hin geöffnet, bei den übrigen Wespenarten ist die Außenhülle bis auf ein Einflugloch geschlossen. Sie haben anfangs fünf bis zehn Zellen in meist etwas abgerundeter Wabenform. In diesem Stadium werden sie von der Königin allein betreut. Sie sind dann den Nestern der Feldwespen sehr ähnlich, unterscheiden sich aber durch den Ansatz der Nesthülle, die von Anfang an mit angelegt, anfangs nicht geschlossen wird. Die Nester bestehen später aus mehreren, übereinander angeordneten Wabenetagen, die stets waagrecht ausgerichtet und nach unten geöffnet sind, sowie einer isolierenden, mehrschichtigen Außenhülle. Meist verhüllt die Außenhülle die Waben, die nur bei Zerstörung der Hülle sichtbar werden. Beim Nestwachstum bauen die Tiere die Hülle ab, wenn unten neue Waben angefügt werden, und schließen sie sofort wieder.
  • Um zwischen den verschiedenen Nestern und deren Erbauern unterscheiden zu können ist es hilfreich, auf das verwendete Baumaterial zu achten. Alle echten Wespen bauen ihre Papiernester aus Holzfasern; die gemeinen Wespen ebenso wie die Hornissen verwenden meist morsches Holz. Alle anderen Arten verwenden oberflächlich verwittertes Holz (Totholz an Bäumen sowie von Weidepfählen, Holzzäunen im menschlichen Siedlungsbereich)

 

Gründung und Auflösung des Wespenstaates:

Ein Staat wird von der jungen Königin gegründet, welche im Frühjahr jeweils ein Ei in die ersten Zellen des von ihr erbauten Nestes legt. Die daraus geschlüpften Larven füttert sie mit einem Brei aus von ihr zerkauten Insekten. Nach der Fütterung geben die Larven einen zuckerhaltigen Tropfen ab, der wiederum zur Ernährung der Königin dient und für die Larven die einzige Möglichkeit darstellt, Flüssigkeit abzugeben. Durch die von der Königin verströmten Pheronome entwickeln sich aus den Larven keine neuen befruchtungsfähigen Weibchen, sondern unfruchtbare Arbeiterinnen. Die zuerst geschlüpften Arbeiterinnen übernehmen anschließend alle weiteren Arbeiten mit Ausnahme des Eierlegens. Von diesem Zeitpunkt an fliegt die Königin immer weniger aus, bis sie das Nest überhaupt nicht mehr verlässt und sich nur noch der Eiablage widmet. Erst im Herbst schlüpfen aus den Eiern fruchtbare Weibchen. Diese beginnen sofort damit, selbst Eier zu legen, aus denen die Drohnen, also männliche Tiere, schlüpfen. Deren einzige Aufgabe besteht darin, die Weibchen zu befruchten, nach der Paarung sterben sie.

Die alte Königin stirbt im Herbst und ihr Wespenstaat löst sich
anschließend auf. Bei Kälteeinbruch sterben auch die letzten
heimatlos gewordenen Arbeiterinnen des alten Staates. Allein die begatteten Jungköniginnen suchen sich ein geschütztes Versteck. Nach ihrem Winterschlaf gründen sie dann einen eigenen Wespenstaat und der ganze Kreislauf beginnt von vorn.

Wespen und Menschen:

Sicherlich hatte der Großteil von euch schon mal einen Wespenstich, vielleicht hat er  daher sogar Angst vor den manchmal wahrlich lästigen Viechern. Trotzdem hilft das Schlagen oder Fuchteln mit Händen und Füßen überhaupt nichts, da eben das die Wespen aggressiv macht. Sie sondern in solchen Situationen sogar Duftstoffe aus, die andere Wespen anlocken, um Hilfe zu holen. Duftstoffe wie Lavendelöl, Knoblauch, Zitrone oder eine Tomatenpflanze auf der Terrasse zeigen dagegen meist nur wenig Effekt bei der Abwehr von Wespen. Das beste Mittel gegen schmerzhafte Stiche ist noch immer Vorsorge, wie zum Beispiel das Tragen von Schuhen beim Laufen über Wiese  im Garten. Wespen zählen übrigens zu den schützenswerten Arten und dürfen nur in bestimmten Fällen entfernt oder umgesiedelt werden. Verhaltet euch also ruhig und tut den Tieren nichts. Sie leisten im Garten nützliche Dienste. Genauso wie Bienen und Hummeln bestäuben sie Blüten und tragen damit zu einer reichen Obsternte bei. In unmittelbarer Nähe zu einem Nest solltet ihr aber sehr vorsichtig sein. Laute Geräusche oder Erschütterungen rufen sofort den Kampfgeist in den Tieren auf den Plan. Wespen fliegen übrigens immer gerne ins Gesicht, weil sie einen sehr ausgeprägten Geruchssinn haben, um Nahrung zu finden. Wenn man zucker- oder eiweißhaltiges Essen zu sich genommen hat, registrieren Wespen das sofort. An dem Gerücht, das Wespen besonders im Spätsommer aggressiver als sonst sind, ist nicht sehr viel Wahres dran. In besonders warmen Sommern ist lediglich die Anzahl der Insekten höher. Dadurch, dass es mehr von ihnen gibt als sonst entsteht der falsche Eindruck, die Tiere wären aggressiver. Deckt euere Speisen und Getränke im Sommer einfach immer ab, dann ist die Gefahr relativ gering, dass die Tiere lästig werden oder einen sogar stechen.