Spickzettelmuseum

Laut Statistik schreibt in Deutschland jeder fünfte Schüler Spickzettel – in Prüfungen der Sekundarstufe spicken gar bis zu 60 Prozent aller Schüler. Spicken ist  so allgegenwärtig, dass man dieser „Tätigkeit“ ein Museum gewidmet hat. 

Die Wanderausstellung „Beim Spicken bloß nicht erwischen lassen“ zeigt uns im Rahmen einer Wanderausstellung eine Vielfalt von simplen bis hin zu raffinierten Spickzetteln jeder Art. Entwickelt wurde die Schau vom Schulmuseum Nürnberg, das mit rund 1500 Spickzetteln aus 15 Ländern auf einen immensen Fundus aus über hundert Jahren Spick-Schulgeschichte zurückgreifen kann.

Während in Deutschland das Spicken verpönt sei, gelte es in anderen Teilen der Welt wie zum Beispiel in Russland als völlig normal – dort trage man die Spickzettel reihenweise zusammengerollt mit sich am Körper, was dann wie ein Patronengurt aussehen würde, erklärt der Ausstellungskurator Mathias Rösch. Die Sammlung bietet auch Exponate aus den Vereinigten Staaten und Jordanien.

Neben den klassischen Spickern aus Papier sind im Museum auch sehr viel kompliziertere Varianten zu sehen:

  1. Eine Armbanduhr etwa, die der 17 Jahre alte Günter Reuchlein 1956 komplett entkernte, um dann eine Rolle einzubauen, um die er je nach Bedarf bis zu 80 Zentimeter lange Textbänder spulte.
  2. Auch ein Riegel Schokolade, in den ein Schüler Formeln eingeritzt hatte.
  3. Oder die Spickzettel einer Medizinstudentin aus Padua: In einer Vitrine ausgestellt ist eine Pappschachtel, datiert auf 1947, in der sich eine Textrolle neben der anderen hochkant drängt, zu erkennen. Jeder der in dier Pappschachtel enthaltenen 32 Spicker trägt eine Zahl. Der Ausstellungskurator vermutet hinter dem großen Aufwand, dass der Spicker nicht nur einmal benutzt wurde, sondern die Studentin mit ihm gehandelt hat.
  4. In China herrscht bekanntlich großer Leistungsdruck. Aus diesem Land ist ein Exemplar einer Zweitklässlerin zu sehen. Sie benutzte für ein Diktat ein schachbrettartig konstruierten Spickzettel. Das Mädchen klemmte ihn zwischen ihre Knie und die Schulbank.

Nicht jeder Spickzettel gelingt beim ersten Mal. Wieso dann nicht einfach lernen und sich die Zeit sparen?

 

Das Glanzstück der Sammlung: Fußballspicker!

Zu sehen ist eine Reproduktion des berühmten Stutzen-Zettels, mit dem Nationaltorwart Jens Lehmann bei der WM 2006 beim Elfmeterschießen die Argentinier verwirrte (er steckte sich den Spickzettel in seine Stutzen). Auf diesem Spickzettel waren allerdings logischerweise keine Formeln oder andere Lerninhalte, sonderen alle Gewohnheiten der argentinischen Schützen beim Elfmeterschießen notiert. Das Original liegt im Haus der Geschichte in Bonn. Für eine Million Euro hat es ein Unternehmen ersteigert und dem Museum zur Verfügung gestellt.