Wer bestimmt, was „IN“ ist?

Viele tragen mittlerweile nur noch das, was gerade im Trend ist, auch wenn dieser Trend auf andere vielleicht etwas seltsam wirkt. Doch wer bestimmt eigentlich, was „IN“ ist?

Anders als manche vielleicht erwartet haben, sind es nicht die Designer oder Stylisten, die Einfluss darauf haben, was morgen von vielen getragen wird. Auch die Trendscouts haben damit eher weniger zu tun. Es sind die Modejournalisten und Chefredakteure großer Zeitungen und Magazine. Doch sie haben nicht nur auf den aktuellen Trend Einfluss, sondern auch auf die Karriere und somit den Erfolg eines Designers.

Vor allem Suzy Menkes, die Modekritikerin der International Herald Tribune, gilt als eine der mächtigsten Frauen in der Modewelt. Würde sie einmal etwas Schlechtes über eine der großen Modelabels schreiben, ist es sehr warscheinlich, dass deren Produkte nicht mehr so oft gekauft werden.

Doch fast noch wichtiger als Suzy Menkes ist Anna Wintour, die wohl einflussreichste Frau in der Fashionszene. Sie sitzt bei jeder Show immer in der ersten Reihe. Und das soll etwas heißen, denn dort sitzen nur die „Wichtigsten“. Anna ist die Chefredakteurin der amerikanische Vogue. Sie hat so viel Macht in der Welt der Mode, dass sie Nachwuchsdesigner innerhalb kürzester Zeit zu großen Stars machen kann. Sie ist zum Beispiel dafür bekannt, dass sie unter anderem die Karriere von Marc Jacobs und John Galliano gefördert hat und immer auf der Suche nach neuen Talenten ist.  Spätestens seit „Der Teufel trägt Prada“ sollte sie allen, die den Film gesehen haben, ein Begriff sein. Und das liegt nicht daran, dass sie in dem Film mitgespielt hätte, sondern daran, dass eine der Hauptrollen in dem Film der Chefredakteurin sehr ähnlich sieht. Jedoch war das höchstwahrscheinlich kein lustiger Zufall, sondern pure Absicht. Der Film basiert nämlich auf dem gleichnamigen Buch einer ehemaligen Assistentin von Anna Wintour. Sie erschien auch auf der Premiere des Films – und trug Prada. Jedoch wurde dies nie offiziel betätigt.

Die französische Kollegin Wintours (also die Chefredakteurin der französischen Vogue) heißt Carine Roitfeld und hat ebenfalls sehr großen Einfluss. Sie verhalf zum Beispiel gemeinsam mit Tom Ford dem damals verstaubten und altmodischen Label Gucci zu einem sensationellen Comeback und schaffte es innerhalb kürzester Zeit, Gucci zu einer der markantesten und begehrtesten Marken der Modewelt zu machen.

Doch es müssen nicht unbedingt die Chefredakteure von Modemagazinen sein, die durch ihre Einflussnahme dafür sorgen, dass Menschen etwas „in“ finden. Ähnlich wie Suzy Menkes schreibt auch Cathy Horyn regelmäßig in einer bestimmten Zeitschrift über Mode, und zwar in der New York Times. Im Gegensatz zu den Modemagazinen sind Zeitungen wie die New York Times oder die International Herald Tribune unabhängiger von den Anzeigekunden und können sich deshalb auch eine kritische Berichterstattung über Mode-Schauen erlauben. Horyn hat auch einen Blog, in dem sie über Mode berichtet. Es ist schon vorgekommen, dass sie wegen ihrer negativen Kritik nicht zu Shows eingeladen wurde, doch das nimmt sie für ihre Unabhänigkeit in Kauf.