Schule mal anders: Australien – ein Erfahrungsbericht

Australien ist mit 25 Millionen Einwohnern bevölkerungstechnisch der kleinste Kontinent der Welt. So ganz unten im Eck der „Landkarte“ wirkt Australien eher entrückt, kann aber sicherlich nicht übersehen werden – schließlich ist Australien etwa 20 Mal größer als Deutschland!

Kängurus sind aus Australien nicht wegzudenken (Anm. d. Redaktion: das Bild stammt als einziges in diesem Artikel nicht von der Autorin, sondern von http://www.pixabay.com)

Australien ist einer der interessantesten Kontinente, die ich jemals besucht habe, und hat mit seinen typischen Merkmalen wie den Kängurus, dem Surfen oder dem Linksverkehr seinen ganz eigenen Charme. Ich habe den Schritt gewagt und mich für einen zweieinhalbmonatigen Schüleraustausch beworben. Die Bewerbung ist geglückt und somit schreibe ich diesen Artikel gerade am Schreibtisch meiner Gastfamilie. Ich bin jetzt schon seit acht Wochen hier in Australien und ich kann behaupten das australische Schulsystem ist bis jetzt der größte Unterschied zu Deutschland. (Anmerkung der Redaktion: der Artikel wurde nach Rückkehr nach Deutschland veröffentlicht)

Ich habe (Vergangenheit, weil wir hier bis zu meiner Abreise Ferien haben) die 10. Klasse des Star of the Sea Colleges in Melbourne besucht. Eines der Highlights für mich als Deutsche war natürlich die Schuluniform, die hier in Australien Pflicht ist. Es wurde zwischen normaler- und Sportuniform unterschieden, wobei die Sportuniform um einiges beliebter war, da sie einfach bequemer ist.

Zusätzlich werden die Schüler in vier Häuser unterteilt. In meinem Fall waren es Ave (gelb), Fay (grün), Nagle (blau) und Stella (rot). Auch das, nämlich die Unterteilung der Schule in Häuser, ist in Australien ganz normal und verleiht einem unterschwellig einen gewissen Hogwarts-Touch. Generell gibt es keine wirklichen Unterschiede oder Feindschaften zwischen den Häusern. Sie dienen nur dem Teamgeist bei Wettbewerben, wo wir auch schon zum nächsten Punkt kommen.

Das Schulgebäude sieht ganz anders aus als in Deutschland.

Australische Schulen sind nach meinem Empfinden viel kreativer als deutsche und legen auch mehr Wert auf die Persönlichkeiten der Schüler. Es ist zum Beispiel normal, dass Theater, Design, Kochen oder Fotografie vollwertige Unterrichtsfächer sind. Außerdem werden Wettbewerbe und allgemeine kreative Aktivitäten mehr unterstützt. Ich durfte zum Beispiel bei dem sogenannten „Music Fest“ mitmachen. Im Grunde studiert jede Jahrgangsstufe jedes Hauses einen Tanz ein. Für die Proben wurden dann immer die Nachmittagsstunden verwendet. Zusätzlich werden zwei Lieder ausgewählt, die das gesamte Haus dann einstudiert. Der eigentliche Auftritt fand dann im Melbourne Convention Centre statt. Man kann es sich wie eine Theaterhalle vorstellen mit professionellem Backstagebereich, Kunstnebel etc. und natürlich durften die Eltern dabei zusehen. Am Ende können die Häuser in verschiedenen Kategorien gewinnen wie zum Beispiel „Best Singing“ oder „Best Dances“. Das Haus, das am meisten von seinen Schülern unterstützt und angefeuert wird, kann den „House Spirit Award“ ergattern. Man kann auch das gesamte Jahr über Punkte  gewinnen. Diese Wettbewerbe dienen generell einfach dazu, Punkte zu sammeln, denn der Sieger bzw. das Siegerhaus eines Wettbewerbs bekommt Extrapunkte. Das Haus, das am Ende des Schuljahres die meisten Punkte hat, gewinnt den „House Cup“ und wird somit „House Champion“.

Auf Gestalterisches und Kreatives wird an australischen Schulen viel Wert gelegt (hier mit einer Gesichtsbemalung in der „Hausfarbe“ gelb).

Wie läuft jetzt aber der eigentliche Schulalltag ab? Der Unterricht startete im Fall meiner Schule um 8:30 Uhr. Dies kann jedoch von Schule zu Schule unterschiedlich sein und ist den Einrichtungen meist selbst überlassen. Jede Schulstunde dauert eine Stunde lang. Insgesamt sind es fünf: zwei vor der Pause, zwei nach der Pause und die letzte nach der einstündigen Mittagspause.

Wettbewerbe unter den Schülern gehören in Australien selbstverständlich mit dazu.

Es gibt auch keine richtigen Klassen, nur Co-Klassen. Die Co-Klasse ist die Klasse, mit der man die grundlegenden Fächer zusammen hat, wie zum Beispiel English, Health, Society and Money oder Sport. Also alle Fächer, die man belegen muss, wenn man sich nicht zwischen zwei oder mehreren entscheiden kann. In den anderen Fächern (man darf insgesamt drei selber wählen) wird man einfach mit anderen Schülern, die dieses Fach auch gewählt haben, zusammengetan. Die Co-Klassen und die Kurse ändern sich jedes Jahr. Einen festen Klassenverband mit einem Klassenleiter wie in Deutschland gibt es in Australien nicht. Man kann das System also ein bisschen mit dem unserer Oberstufe vergleichen. Allerdings fängt diese Regelung erst ab der 9. Jahrgangsstufe an. Ab Klasse 10, wenn man in das Hauptgebäude „umzieht“, wird man innerhalb der Häuser in kleine Klassen unterteilt. Die Klassen bestehen meistens aus nicht mehr als 14 Schülern und nicht alle gehören einer Jahrgangsstufe an (ab der 10. Klasse aufwärts). In einem Klassenzimmer hat dann jeder seinen Spind und in der Regel ist das dann das Klassenzimmer, in dem die Schüler vor Schulbeginn hingehen, um Musik zu hören, zu „ratschen“ etc. Jede „Klasse“ hat auch einen „Klassenleiter“. Jedes Mal nach der Pause findet das sogenannte „Homeroom“ statt. Die Klasse versammelt sich in ihrem Klassenzimmer und der Lehrer bespricht mit ihr wichtige Termine, die demnächst anstehen – oder es werden in diesen zwanzig Minuten Geburtstage gefeiert oder Geld eingesammelt. Man kann es sich ein bisschen wie ZfU vorstellen, nur dass es jeden Tag geschieht und von einem Lehrer geleitet wird. Das ist aber auch die einzige Möglichkeit, dass die Schüler in einer Klasse zusammen kommen. So wie ich es verstanden habe, ist es aber auch einfacher bei Schulversammlungen oder Veranstaltungen, den Überblick zu behalten, wenn die Schüler in ihre „Homerooms“ eingeteilt sind.

Was ist sonst so typisch? In der Regel ist der Rucksack (übrigens haben alle den selben, dies gehört nämlich auch zur Schuluniform) nur dazu da, das Schulzeug in die Schule zu transportieren. An der Schule angekommen, wird der Rucksack in den eigenen Spind gepackt. Man nimmt sich die Sachen heraus, die man für die erste Stunde braucht und geht damit dann zu dem Klassenzimmer, in dem der erste Kurs stattfindet. Hätte man also, wie in Deutschland, den Schulrucksack den ganzen Tag über mitgeschleppt, dann hätte man schon den ein oder anderen komischen Blick ernten können. Ehrlich gesagt war das  für mich ziemlich irritierend und auch in einem gewissen Punkt nicht nachvollziehbar, denn in meinen Augen ist dieser „Weg“ viel stressiger. Für die australischen Schüler ist es aber ganz normal, übrigens auch, einen Laptop zu haben.

An die „reguläre“ Schuluniform gewöhnt man sich, auch wenn die Sportuniform beliebter und bequemer ist …

In vielen Unterrichtsfächern ist der Laptop ein wichtiger Bestandteil und in Fächern wie Society and Money werden die Tests auch einmal mit dem Laptop geschrieben. Meine Austauschpartnerin hat mir erzählt, dass sie in der 7. Klasse sogar ein eigenes Fach haben, indem sie lernen, wie man mit modernen Medien richtig umgeht. Im Unterricht selbst ist das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ziemlich ungezwungen. Es wird sich, wenn auch etwas chaotisch, begrüßt, und der Lehrer fährt ganz entspannt mit seinem Unterricht fort. Jedoch ist es auch normal, die Hand nicht zu heben, sondern einfach herauszurufen, wenn man etwas sagen will. Meist hat die Klasse das in einer gewissen Weise organisiert hinbekommen, aber manchmal war es für mich ziemlich nervig, wenn jeder durcheinandergerufen und es dem Lehrer scheinbar nichts ausgemacht hat. Der Drang sich zu melden, um einfach mal um Ruhe zu bitten, war bei mir als Deutsche manchmal schon recht groß.

Aufrechtes, „anständiges“ Sitzen ist bei den Australiern auch kein sehr ernstes Thema. Alles verläuft so ein bisschen nach dem Motto „Es ist mir egal, ob du zuhörst. Du musst es dann ja in zwei Wochen wissen, nicht ich.“ In Australien wird auch nicht abgefragt und es werden keine Exen geschrieben. Es gibt nur Tests, die stets angesagt sind. Nur ganz selten gibt es Überraschungstests. Die Schule endet in der Regel zwischen 15.20 Uhr und 15.40 Uhr. In meinem Fall war es 15:20 Uhr. Generell müssen australische Schüler nach der Schulzeit nur ihre Hausaufgaben erledigen und haben somit auch genügend Freizeit.

Die Schulzeit in Australien war für mich, im Gegensatz zur deutschen, ziemlich entspannt. Wie oben schon erwähnt, legen Australier mehr Wert auf Kreativität als auf Leistung. Welches Schulsystem jetzt auf Dauer besser ist, darüber lässt sich streiten, aber es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung und ein interessanter Gegensatz zum deutschen Schulsystem.

Innerhalb kürzester Zeit wurden ich (rechts) und meine Austauschpartnerin gute Freunde!

See you, Down Under!

Verrohte Sprache – Verrohte Menschen ?

Schimpfwörter begegnen uns immer häufiger im Alltag. Wir selbst benutzen sie nicht selten ganz ungezwungen, z. B. das Wort „Bitch“. Dass damit aber eine Frau oder ein Mädchen auf eine „läufige, räudige Hündin“ reduziert wird, ist wohl kaum einem bewusst. Auch wenn man zum Beispiel sein Handy herunterfallen lässt oder der Zug mal wieder Verspätung hat, kann einem durchaus der ein oder andere Kraftausdruck herausrutschen. Vor allem für Jugendliche zählen Schimpfwörter heutzutage zum normalen Sprachgebrauch. So kommt es auch vor, dass sich Jugendliche untereinander Schimpfwörter „an den Kopf schmeißen“, ohne wirklich darüber nachzudenken, was das in der anderen Person auslösen könnte.

Doch warum ist das so? Warum verwenden vor allem Jugendliche diese Formulierungen? Und welche Auswirkung hat eine aggressive Sprache?

Auf diese und weitere Fragen versuchte die Klasse 9c in einem Projekt vor Weihnachten eine Lösung zu finden. Das Projekt trug, wie die Überschrift schon sagt, den Titel „Verrohte Sprache – Verrohte Menschen?“ Die Schüler bekamen zu diesem Thema diverse Aufgaben gestellt, die sie in einem gewissen Zeitraum zusammen lösen sollten.

Schon am Anfang wurde der Kasse klar, dass es viele unterschiedliche Meinungen zu der Frage, was als verletzend oder ausgrenzend empfunden wird, gibt. Es stellte sich heraus, dass jeder eine andere Auffassung davon hatte, welche Schimpfwörter für einen persönlich schlimm sind und welche nicht und in welchem Kontext, also in welchem Zusammenhang (z. B. vor Lehrern oder im Freundeskreis) sie gesagt werden. An dieser Stelle darf an die Verleihung des Musikpreises „Echo“ erinnert werden, bei dem die Rapper Kollegah und Farid Bang ausgezeichnet wurden. Die Verleihung selbst löste einen großen Skandal aus, da viele Menschen, darunter auch andere Musiker, der Ansicht waren, dass die Texte der Rapper antisemitisch (im heutigen Sprachgebrauch „fremdenfeindlich) oder frauenverachtend seien und ein solcher Musikpreis deswegen unverdient wäre. Einige forderten  daraufhin eine allgemeine Diskussion darüber, „was als Provokation noch erträglich ist und was nicht.“ Hier zeigt sich bereits: die Meinungen gehen in der Öffentlichkeit ebenso auseinander wie in unserer Klasse.

Um auch die Ansichten Jugendlicher zum Thema „Schimpfwörter“ zu berücksichtigen, hat die Klasse 9c eine Umfrage in verschiedenen Jahrgangsstufen unseres Gymnasiums durchgeführt. Eine der wahrscheinlich wichtigsten Fragen lautete:

„Warum verwenden vor allem Jugendliche Schimpfwörter?“

Folgende Gründe wurden bei der Umfrage genannt:

  1. Fehlender Wortschatz (die Jugendlichen haben nicht genügend Vokabular, um ihre Gefühle auszudrücken)
  2. Alltagssprache unter Jugendlichen (aufgrund der sekundären Sozialisation innerhalb des Freundeskreises, der Schule oder der Peer-Group, bekommen Kinder und Jugendliche oftmals diese Wörter durch ihr Umfeld mit und übernehmen sie unreflektiert)
  3. Wut zum Ausdruck bringen
  4. Ziel, andere zu verletzen
  5. Eigene Schwächen kompensieren (also um von ihnen abzulenken, sie „auszugleichen“)
  6. Coolheit (die meisten Jugendlichen denken, dass es cool und modern ist, jene Formulierungen zu verwenden)
  7. Eigene Stärke besser zur Schau stellen

 

Bevor ihr weiterlest: nehmt bitte an unserer anonymen Umfrage teil:

 

Ihr kennt es bestimmt alle: Euch rutscht ein Schimpfwort vor euren Eltern heraus und diese erwidern entsetzt: „So etwas sagt man nicht!“ oder „Jetzt reiß` dich mal ein bißchen zusammen!“ Wahrscheinlich haben sich die ein oder anderen gefragt, warum ihre Eltern das besagte Wort so schlimm finden, immerhin wird es unter Freunden und Mitschülern täglich ganz ohne „Probleme“ benutzt. Warum empfinden also viele Erwachsene  die aggressive Sprache der Jugendlichen als schockierend? Das liegt daran, dass derbe Formulierungen  früher hauptsächlich noch nicht so verbreitet und gewöhnlich waren. Im Laufe der Zeit wurden jedoch viele neue Schimpfwörter, insbesonders aus dem Englischen, übernommen. Ein Grund dafür ist die zunehmende Globalisierung und der Einfluss aus Amerika – und damit der englischen Sprache. Dass unseren Eltern als Jugendliche  trotzdem nicht so oft ein deutsches Schwimpfwort herausgerutscht ist, ist der damals etwas strengeren Erziehung der Eltern und negativen Einstellung gegenüber beleidigenden Wörtern geschuldet. Letztlich sind Beschimpfungen ja immer, egal ob im Spaß oder Ernst, eben Beschimpfungen. Sie wurden im Laufe der Zeit sozusagen „salonfähig“ und hielten mit der Unterhaltungsbranche (die übrigens auch einen Jugendschutz kennt) Einzug in unseren Alltag.

Den meisten Teenagern ist  häufig gar nicht klar, was diese Wörter in der adressierten Person auslösen können.

Jeder fasst Schimpfwörter ganz anders auf. Deswegen hat sich die 9c auch mit der Frage beschäftigt, welche Auswirkung denn überhaupt eine aggressive Sprache hat. Obwohl diese in der Umfrage explizit nicht vorkam, hat man versucht, es in der Klasse zu klären. Mit Hilfe unseres Schulpsychologen Herrn Merkel sind die Schüler letztendlich auf folgende mögliche Auswirkungen und Eigenschaften aggressiver Sprache gekommen.

Aggressive Sprache und Schimpfwörter können

  1. verletzen
  2. verwirren
  3. das Zusammenleben erschweren (Erziehung, Umgang, Zusammenhalt)
  4. Personen im Ganzen „(ent)werten“, nicht ein spezielles Verhalten – vgl. „Bitch“)
  5. Konflikte nicht lösen

Wut, Trauer, im schlimmsten Fall sogar Depressionen können in der betroffenen Person ausgelöst  werden. Zusätzlich nehmen viele bei häufiger Konfrontation mit Beleidigungen an, dass diese Schimpfwörter wirklich zutreffend sind, was zu einem verminderten Selbstwertgefühl besonders in Kinder- und Jugendjahren, in denen sich der Mensch noch in seiner geistigen und persönlichen Entwicklung befindet, führen kann. Aber auch die Abstumpfung und Toleranz gegenüber Schimpfwörtern und verrohter Sprache kann bewirken, dass man sie in unterschiedlichen Kontexten und bei Menschen verwendet, die ganz anders darauf reagieren, als man von seinem eigentlichen Umfeld, z. B. dem Freundeskreis, gewohnt ist. Diese Menschen finden dann eure Kraftausdrücke dann nämlich gar nicht lustig. Und weshalb sollten andere das lustig finden, was du und dein Clique lustig findet? Ist das vielleicht sogar Nötigung?

Das Projekt hat der gesamten Klasse zweifellos Nerven durch die vielen kleinen Meinungsverschiedenheiten geraubt, aber das Endergebnis sowie das neu erlangte Wissen über das Thema sind dafür umso gewinnbringender. Wir hoffen,dass wir euch auch einen kleinen Einblick in das brisante Dauerthema geben konnten und ihr, falls ihr es ohnenicht nicht jetzt schon tut, in Zukunft vielleicht weniger Schimpfwörter verwenden werdet – in eurem Interesse und im Interesse anderer. Zum guten Zusammenleben braucht es keine Schimpfwörter, wir können getrost auf sie verzichten!

——————————————————————————————-

Anmerkung der Verfasserin: dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Sophia Häglsperger, 9c

Netflix: FSK immer berechtigt?

Pretty Little Liars, Vampire Diaries, Stranger Things oder Riverdale: Wir alle kennen sie oder haben zumindest schon einmal von einer von ihnen gehört. Es handelt sich um Serien. Als Riverdale-Fan habe ich mich gefragt, mit welcher FSK denn nun diese Staffel versehen wird. Doch der Reihe nach: was bedeutet FSK eigentlich genau?

Die Abkürzung FSK steht für Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Wie der Name schon sagt, ist es freiwillig, das heißt man muss selber wissen, ob man dem Inhalt des Filmes oder der Serie gewachsen ist. Die FSK-Kennzeichnung ist lediglich ein Hinweis, um beispielsweise bei Serien mit Kennzeichnung eines höheren Alterslevels als des eigenen noch einmal zu überdenken, ob man sich den Inhalt dieser Serie bzw. eines Films zutraut.

An dieser Stelle fragt sich wohl schon so mancher: „Woher soll ich das wissen, bevor ich die Serie gesehen habe?“ Normalerweise ist bekannt, wie „brutal“ oder „harmlos“ eine Serie ist. Daran kann man sich also orientieren, im Internet recherchieren oder jemanden fragen. Überlege dir also, ob du nicht manchmal einfach nur nach Ausreden suchst, um vor dir selbst begründen zu können, warum du eine Serie ansiehst, obwohl du weißt, dass sie für dein Alter nicht geeignet ist.

Während im öffentlichen Raum das Jugendschutzgesetz dafür verantwortlich ist, prüfen einige Online-Anbieter wie Netflix  ihren Inhalt selbst. Sie verpflichten sich also zu keiner freiwilligen Selbstkontrolle, müssen jedoch bei FSK-geprüften Inhalten die Altersfreigabe gut sichtbar veröffentlichen. Schaut man aber eine Netflix- Eigenproduktion, so fehlt in der Regel jede Altersangabe zur Orientierung. Allgemein ist die Altersfreigabe, die Netflix oder auch beispielsweise Amazon Prime vor allem bei Serien angeben, oft umstritten. Des öfteren gab es Fälle, in denen eine Serie für „brutaler“ gehalten wurde, als sie es eigentlich war und zum Beispiel mit dem FSK-16-Logo ausgezeichnet wurde. Es gab aber auch Fälle, in denen die Serie als viel zu harmlos eingestuft wurde.

Ein Beispiel: bei der Netflix-Eigenproduktion „Tote Mädchen lügen nicht“ oder im Originaltitel „13 reasons why“ gehen die Meinungen zur Altersfreigabe auseinander.

„Tote Mädchen lügen nicht“ handelt von einem Mädchen namens Hannah Baker, die Selbstmord begeht und ihren Mitschülern 13 Kassetten mit Gründen ihrer Entscheidung hinterlässt. Bereits die erste Staffel hat für Aufsehen gesorgt. Viele haben vor den „jugendgefährdenden Inhalten“ der Serie gewarnt. Ärzte, Psychologen und Jugendschutzverbände kritisieren in der Serie den Umgang mit dem Thema Mobbing. Außerdem würde der Selbstmord hier verharmlost werden. Zusätzlich wird den Kindern empfohlen, die Serie ohne elterliche Begleitung nicht anzusehen, da auch unter anderem eine Vergewaltigungsszene gezeigt wird.

Andere bewerten die Serie als positiv, da hier offen über Mobbing und sexuellen Missbrauch gesprochen wird und es vielleicht manchen Opfern dann leichter fällt, das Geschehnis zu  verarbeiten oder damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Außerdem sei die Serie spannend gemacht und auch mit einem guten Soundtrack versehen. Man will bis zum Ende wissen, wie es weitergeht , wer von den Mitschülern denn jetzt ein dunkles Geheimnis in sich trägt und wer sich nun insgeheim wegen Hannahs Tod schuldig fühlt.

Netflix hat nach diversen Beschwerden eine Kindersicherung für alle Zuschauer unter 16 Jahren einrichten lassen. Das hat die Gemüter dann auch weitgehend beruhigt. Jedoch gibt es, wie oben schon erwähnt, immer noch unterschiedliche Meinungen, was Inhalt und Bewertung nach Alter betrifft.

Meiner Meinung nach ist es sehr schwierig, die FSK-Siegel so zu vergeben, dass jeder damit zufrieden ist. Jeder Mensch „tickt“ anders und nimmt das veranschaulichte Material  nicht gleich wahr. Für manche ist es (erschreckenderweise) überhaupt kein Problem, wenn im wahrsten Sinne des Wortes Köpfe rollen, andere wiederum zucken schon zusammen, sobald jemand aus Versehen die Treppe herunterfällt. Klar, es gibt sicherlich manch umstrittene Fälle, aber letztlich können die Anbieter, so denke ich zumindest, es nicht immer allen Recht machen.

Also gilt: wir sind selbst für uns verantwortlich!

Man sollte sich nicht einfach Dinge ansehen, ohne vorher über die Altersfreigabe nachgedacht oder sich über einen Film oder eine Serie informiert zu haben. Altersempfehlungen sind, anders als bei Büchern, aus gutem Grund verbindlicher bei Filmen und Serien. Im Buch stellt man sich die Dinge zwar auch bildlich vor, ist aber „im Kopf“ flexibel. Manches kann man sich auch glücklicherweise nicht so gut vorstellen – zumindest dann nicht, wenn man es nicht vorher schon in bewegten Bildern gesehen hat.

Filme und Serien zeigen uns vorgefertigte Bilder; man kann im wahrsten Sinne des Wortes nicht „aus“ und muss es so „akzeptieren“, wie es gezeigt wird. Nicht umsonst warnen Psychologen und Eltern vor gewissen Inhalten, weil sie wissen, dass sie den Kindern und Jugendlichen schaden können (Ängste, Albträume, Abstumpfung gegen Gewalt, Nachahmung etc.).

Hat man das empfohlene Alter erreicht, heißt das übrigens noch lange nicht, dass man sich alles ansehen muss, was für das eigene Alter (nun) geeignet ist. Natürlich ist der Reiz oft größer als das Bewusstsein für die Gefahren. Dennoch gilt: erwachsen sein zu wollen, heißt auch, erwachsen mit sich selbst umzugehen. Und dazu gehört letztlich auch, seinen eigenen Weg zu gehen, ohne das zu tun, was viele andere machen!