„Wiedergutmachung“ für die Verdingkinder in der Schweiz

Verdingung in der Schweiz

„Verdingkinder“ – ein Begriff, welcher uns in Deutschland nicht geläufig ist. Bedeutung hat er allein in der Schweiz, denn dort wurden jahrzentelang Waisenkinder, Scheidungskinder und Kinder armer Familien „verdingt“. Die Kinder wurden ihren Familien entrissen und mussten in einer fremden Familie arbeiten – unter ähnlichen Bedingungen wie Sklaven.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein lief dieser „Handel“ von vielen 100000 Kindern. Die oft noch sehr jungen Kinder wurden vom Staat den Familien zugeteilt, welche am wenigsten Entschädigung für die Aufnahme eines Kindes verlangten.

Dieser Prozess war offziell zum Wohl des Kindes, es waren „fürsorgerische Zwangsmaßnahmen“ zu deren Erziehung und Lebenserhaltung. Doch die Realität spiegelt dieses Bild nicht wider. Die Verdingkinder wurden als kostenlose Arbeitskraft ausgenutzt, misshandelt oder sexuell missbraucht. Liebe und familiäre Nähe erfuhren sie wohl selten bis nie. Viele berichten von davon, wie sie Hunger leiden mussten oder nicht am Familientisch die Mahlzeiten einnehmen durften.

Diese dunkle Epoche in der Geschichte der Schweiz wurde lange totgeschwiegen, nun soll sie historische aufgearbeitet werden. Es gibt bereits mehrere Filme zum Thema „Verdingung“, der wohl bekannteste ist „Der Verdingbub“ oder „Schwabenkinder“. „Schwabenkinder“ kamen vorwiegend als Kinder von Bergbauernhöfen aus Tirol, Voralberg oder Südtirol, die alljährlich im Frühjahr durch die Alpen zu den Kindermärkten hauptsächlich nach Oberschwaben zogen. Dort verrichteten sie teilweise schwerste körperliche Arbeit.

„Wiedergutmachung“ für die Verdingkinder?

Jetzt sollen die ehemaligen Verdingkinder eine Entschädigung von jeweils zwischen 20.000 und 25.000 Franken, das entspricht einer Summe von ca. 18400 und ca. 23000 Euro (Wechselkurs: 1 Euro -> 1,09 Franken), erhalten.  Diese „Wiedergutmachung“ verlangt Zahlungen von bis zu 500 Millionen Franken an die Opfer.

Doch ist dies wirklich eine Wiedergutmachung für das erfahrene Leid? Kann das Geld den Betroffenen ihre Jahre der Kindheit und Jugend wieder geben?

Im folgenden Clip seht ihr ein Interview mit einem Zeitzeugen, der einst ein Verdingbub war:

Dieser Clip geht kurz auf die Wiedergutmachungen gegenüber der Verdingkinder ein:

 

 

Neuer Rekord: Größtes Orchester der Welt

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Wir in Seligenthal sind stolz auf unsere begabten Musiker sowie deren Lehrer und Mentoren. Unser Orchester zieht jedes Jahr zu unterschiedlichen Anlässen viele Besucher an und erfreut sich eines ausgezeichneten Rufs. Heute wollen wir der „Orchesterwelt“ im Allgemeinen einen eigenen Beitrag widmen, der uns nach Australien führt.

Der Rekord für das größte Orchester der Welt lag bis jetzt bei 7224 Musikern, die 2013 im australischen Brisbane auftraten.

Diesen Rekord wollte der hamburger Trompeter Jens Illemann brechen und rief die Aktion „Wir füllen das Stadion“ ins Leben. Sein  Ziel? Ein Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde!

Am Samstag den 9. Juli 2016 war es soweit: 7548 Musiker haben sich in Frankfurt in der Commerzbank-Arena versammelt, um gemeinsam zu musizieren. Ermöglicht wurde die Veranstaltung vom Stadionchef Patrik Meyer, der selbst Schlagzeug spielt.

Die Rahmenbedingungen in Frankfurt hätten nicht besser sein können, denn die Stadt liegt zentral in Deutschland und im Stadion sind die Instrumente vor möglichen Unwettern geschützt.

Am Tag des Rekordversuchs wurde eine „Musikmeile“ vor dem Stadion aufgebaut. Kleinere Bands und Orchester  spielten und es gab Workshops und Essensbuden.

Wolf Kerschek, ein Dirigent und Komponist aus Hamburg, dirigierte das „Riesenorchester“ – und damit ihn auch wirklich jeder sehen konnte, gab es eine Übertragung auf eine Leinwand.

Auf dem Programm standen vier Stücke, alle vier Klassiker:

  • Auszüge aus Sinfonien von Dvorák und Beethoven
  • einen Song aus dem Musical „Starlight Express“
  • die Hymne „Music was my first love“

Die Noten wurden entsprechend umgeschrieben und an alle angemeldeten Musiker per Post verschickt.

Die 7548 Musiker stammen aus allen Teilen Deutschlands, sogar Gruppen aus der Schweiz und Österreich waren angereist, um den neuen Rekord aufzustellen.

Denn für einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde musste nicht nur die Anzahl stimmen, nein, jede Instrumentengruppe musste ausreichend oft vertreten sein. Wie in einem richtigen Orchester eben.

Doch auch diese Hürde wurde gemeistert und so bleibt nur noch eines zu sagen: Gratulation dem neuen Rekordhalter!

 

Die Macht der Bilder: wie wir uns manipulieren lassen!

Bilder haben Macht. Ob in Filmen, auf Wahlplakaten oder in den Medien. Bilder unterstützen das Geschriebene und helfen Menschen dabei,  sich eine Vorstellung vom Geschehenen / Geschehen zu machen.

Doch sind Bilder, gerade in Medien wie der Zeitung oder dem Fernsehen, wirklich objektiv? Spiegeln sie das wider, was wirklich geschehen ist? Wie beeinflussen sie Menschen?

Wer kennt das nicht? Unterstützt ein Bild einen Artikel, ist die Wirkung ganz anders, es erhöht die Glaubwürdigkeit, und oft ist das Cover oder Titelbild entscheidend beim Kauf einer Zeitschrift oder Zeitung.

Ein einfaches Beispiel: Zwei  Zeitschriften berichten über die selben Personen und dasselbe Event, die Aussage könnte unterschiedlicher nicht sein. Doch beide Artikel wirken einzeln betrachtet glaubwürdig und man käme nicht zwingend auf den Gedanken, diese zu hinterfragen, abgesehen von der insgesamt eher dürftigen Seriösität gewisser Klatschmagazine. Wie kommt es, dass die Artikel so überzeugend wirken und es selbst bei direktem Vergleich schwer fällt, ein Urteil zu fällen? Die Antwort ist so simpel wie bedenkenswert: beide Texte werden von Fotos gestützt, die die Aussage des Textes veranschaulichen! Warum sollte man dem Artikel nicht Glauben schenken, wenn es doch offensichtlich Bilder gibt, die ihn belegen?

Merke: jedes Bild ist nur ein Ausschnitt aus der Wirklichkeit. Ganz abbilden kann man sie nie!

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Die Macht, die Bilder und Fotos in den Medien ausüben, nimmt also Einfluss auf den Prozess der Meinungsbildung und somit auf die öffentliche Meinung. Das oben angeführte Beispiel mit den Klatschmagazinen ist vergleichsweise harmlos, denn egal, welche Version der Wahrheit entspricht, es wird in der Regel keinen erheblichen Einfluss auf Politik und Wirtschaft haben.

Doch was passiert, wenn mithilfe von Bildern gezielt Propaganda betrieben wird?

Denn selbst wenn man um die Gefahr, die von Manipulation durch Bilder ausgeht, weiß, ist es doch schwer, dieser zu begegnen, denn wenn es um Meinungsbildung geht, ist es – trotz aller Mühen – schwer, objektiv zu bleiben; und zu leicht lässt man sich unbewusst von den „primitivsten“ Dingen beeinflussen.

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Parteitag der NSDAP in Nürnberg 1934.

Heldenehrung in der Luitbold Arena während eines Appells der S.A. und S.S. In der Mitte der Führer, der Chef des Stabes der S.A. Lutze und Reichsführer der S.S. Himmler

 Das Bild zeigt die sog. Totenehrung auf den Reichsparteitagen der Nationalsozialisten in Nürnberg im Jahr 1934. Die Kamera nimmt das Bild aus einer erhöhten Position auf. Dadurch kann ein breiteres Spektrum der aufgestellten Soldaten „eingefangen“ werden. Durch die Vogelperspektive wirkt es noch bedrohlicher und schüchtert den Betrachter regelrecht ein. Wäre das Foto aus dem Stand aufgenommen, könnten man diesen „Effekt“ nicht so leicht erzielen. Hier wird die Propaganda der Nazis besonders deutlich, die sie u.a. durch entsprechende Mittel der Bildkomposition erreichten. Die Überhöhung dieses militärischen Aufmarsches zu einem feierlichen, im Verständnis der Nazis „heiligen“ Akt war dazu gedacht, durch das Herstellen eines Gemeinschaftsgefühls Emotionen zu wecken. Dies wollte man durch Mittel der Bildersprache einfangen, konservieren.

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Propaganda ist und war in allen Diktaturen ein unentbehrliches Mittel zum Zweck und Bilder spielten damals wie heute eine wichtige Rolle. Denn Bilder sprechen Menschen häufiger auf einer anderen, emotionaleren Ebene an als geschriebener Text.

Die Perspektive, aus der das Foto oder das Video aufgenommen wird, kann die Meinung absichtlich oder unabsichtlich beeinflussen. Darum ist es wichtig, dass man sich bewusst ist, dass Bilder nie dazu in der Lage sind, die Realität objektiv und unverfälscht zu zeigen. Wie leicht man sich womöglich beeinflussen und täuschen lässt, kann man an folgendem Video selbst überprüfen. Das Video stammt von der Evangelischen Medienzentrale Bayern und ist für den Einsatz im Unterricht empfohlen:

Obamas Besuch in Hiroshima

Der amerikanische Präsident Barack Obama besuchte am 27. Mai 2016 als erster amerikanischer Präsident die Gedenkstelle in Hiroshima und gedachte den mehr als 200.000 Opfern  der Atombombe.

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Gedenkstätte in Hiroshima

Was geschah in Hiroshima im August 1945?

Dass im 2. Weltkrieg viele Gräueltaten begangen wurden, ist wohl allgemein bekannt. Doch der Völkermord an den Juden war nicht das einzige erschreckende Ereignis während dieser Zeit. Im August 1945, als der Krieg in Europa durch die Kapitulation der deutschen Wehrmacht bereits zu Ende war, kam es in Japan zu einem historischen Ereignis, im negativen Sinne.

Der Konflikt zwischen den USA und Japan während des 2. Weltkriegs kann man an zwei größeren Ereignissen festmachen: Der Angriff auf Pearl Harbour, der verantwortlich war für den Kriegseintritt der USA von japanischer Seite, und der Atomangriff auf Hiroshima und Nagasaki von amerikanischer Seite aus.

Der Angriff auf Hiroshima geschah, wie gesagt, im Rahmen bzw. als Folge des 2. Weltkrieges. Der damalige amerikanische Präsident Harry S. Truman entschied sich dazu, am 6. August 1945 über der japanischen Stadt Hiroshima eine Atombombe abzuwerfen, wenig später am 9. August folgte eine weitere über Nagasaki. Diese Bombenangriffe richteten eine ungeahnte Zerstörung an und löschten unzählige Menschenleben aus. Allein bei dem Angriff auf Hiroshima starben mehr als 200.000 Menschen, die genaue Zahl ist noch immer nicht bekannt. Die wenigen Überlebenden werden wohl ihr restliches Leben lang mit den Folgen der Katastophe, deren unfreiwillige Zeugen sie wurden, zu kämpfen haben.

Die USA sind damit die erste und letzte Nation, die sich für den Einsatz von Atombomben in einem Krieg entschloss, trotz der veheerenden Folgen. Die USA rechtfertigte sich mit der Erklärung, dass der Atomangriff eine notwendige und richtige Maßnahme war, um Japan im September 1945 zur Kapitulation zu zwingen und den Krieg auch in Asien zu beenden, da dieser in Europa bereits im Mai 1945 beendet worden war.

Historikern zufolge sei Japan bereits wirtschaftlich am Ende gewesen und hätte die nötigen Mittel zur Kriegsführung so oder so nicht mehr lange aufrechterhalten können. Doch durch den Angriff auf Hiroshima und Nagasaki wurde Japan von einen Schlag auf den anderen vom „Täter“ zu einem „Opfer“ des zweiten Weltkriegs.

Heute befindet sich in Hiroshima eine Gedenkstätte zu Ehren der Opfer.

Obamas Besuch der Gedenkstätte

Bis jetzt hat noch kein einziger amerikanischer Präsident Hiroshima besucht und so Verantwortung für die Taten seines Landes übernommen und den Opfern gedacht. Es gibt sogar noch immer Stimmen in Amerika, die den Atomangriff nicht als falsches Handeln einstufen.

Barack Obama dagegen besuchte am 27. Mai 2016 die Gedenkstätte zusammen mit dem japanischen Präsidenten und einem ganzen Gefolge aus Menschen, zum Beispiel Überlebenden der Katastrophe. Obama sprach sich bereits 2009 für eine atomwaffenfreie Politik aus und auch wenn er dieses Versprechen vielleicht nicht ganz einhalten konnte, so zeigt dieser enorme Schritt doch, wie ernst es ihm mit dem Weltfrieden ist. Eine Entschuldigung für den Angriff in Hiroshima sprach er, wie zuvor bereits angekündigt, nicht aus. Vermutungen besagen, dass dafür eine Entschuldigung für den Angriff auf Pearl Harbour von japanischer Seite aus nötig gewesen wäre, um eine Entschuldigung für den Atomangriff zu erhalten.

Doch auch ohne eine offizielle Entschuldigung hat der Besuch Obamas eine wichtige symbolische Bedeutung. Denn die Beziehung zwischen Japan und den USA war seit dem zweiten Weltkrieg von den Ereignissen getrübt und abgekühlt.

Ich denke, dass es wichtig ist, in der heutigen Zeit, in der die politische Lage mehr als nur unsicher ist, alte Konflikte aus dem Weg zu schaffen. Gute Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten sind der Ausgangspunkt, um die aktuellen Verhältnisse zu verbessern. Die Atomangriffe auf Hiroshima und Nagasaki und die Folgen waren tragisch und sollten für alle Nationen als Mahnung dienen, um zukünftigen Einsätzen von Atombomben entgegenzuwirken, denn nach wie vor gibt es Staaten wie Nordkorea, die mit dem Einsatz von Atomwaffen drohen.

Im Folgenden findet ihr eine Reportage von ZDF-History über geschichtliche Hintergründe der Katastrophe in Hiroshima, um sie noch besser verstehen zu können:

Buchrezension zu „Counting by 7s“ von Holly Goldberg Sloan

Fakten zum Buch

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„Glück ist eine Gleichung mit 7“ ist der deutsche Titel des Buches „Counting by 7s“, geschrieben von Holly Goldberg Sloan. Die deutschsprachige Version erschien 2015 im Verlag „Hanser“. Das Taschenbuch kostet 8,10 Euro, das gebundene Buch 16,90 Euro.

„Counting by 7s“ wurde für den „Dorothy Canfield Fisher Book Award 2014“ nominiert und gewann den Preis „best book for young readers“ in North Carolina, Pennsylvania und Michigan.

Über die Autorin

Holly Goldberg Sloan, geboren 1985, ist neben ihrer Tätigkeit als Autorin auch noch Regisseurin, Filmproduzentin und Drehbuchautorin. „Counting by 7s“ ist nach „I’ll be there“ erst ihr zweites Buch.

Zum Inhalt

„7 Dinge, die man über Willow Chance wissen sollte“ – so beginnt die Autorin den Klappentext. Da Auflistungen in dem Buch keine geringe Rolle spielen, möchte ich mich meine Inhaltsangabe ebenfalls so gestalten.

7 Dinge, die man über das Buch „Counting by 7s“ wissen sollte:

  1. Willow Chance ist eine hochbegabte Zwölfjährige.
  2. Sie hat ein Faible für Krankheiten, Pflanzen und die Zahl sieben.
  3. Sie ist ein Mädchen, das nicht recht in das System unserer Gesellschaft passt und es auch gar nicht möchte.
  4. Durch ein großes Missverständnis, das aus einer Schularbeit, einer zu hohen Punktzahl und einem Fehler der zwischenmenschlichen Kommunikation entsteht, muss sie regelmäßig zu dem Schulpsychologen Dell Duke.
  5. Dort lernt sie die Geschwister Mai und Quang-ha kennen, die die ersten potenziellen Freundschaftskandidaten seit langem sind.
  6. Durch einen Autounfall verliert sie ihre Eltern und muss sich nun, neben der Trauer, auch noch ganz anderen Schwierigkeiten und Problemen stelllen.
  7. Zusammen mit Dell Duke, Mai, Quang-ha und deren Mutter sucht Willow nach ihrem Platz im Leben.

Eigene Meinung

Holly Goldberg Sloan behandelt ein Thema, das wohl in zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern aufgegriffen wird: Ein Kind/Jugendlicher verliert seine Eltern/Angehörigen und er/sie muss sich nun alleine im Leben zurecht finden. Dabei geht „Counting by 7s“ ganz anders an dieses und andere problematische Themen heran als alle anderen Bücher, die ich bis jetzt zu diesem Themenbereich gelesen habe. Man begleitet Willow und ihre Freunde auf einer Reise, die für alle Charaktere einen Neubeginn beinhaltet.

Sharon Creech, Autorin von „Walk Two Moons“, sagte über das Buch: „Willow Chance subtly drew me into her head and her life, so much so that I was holding my breath for her by the end. Holly Goldberg Sloan has created characters who will stay with you long after you finish the book“ und ich kann mich dieser Aussage nur anschließen.

Meiner Meinung nach schreibt Sloan auf eine Art und Weise, die einen Willows Gedanken und Gefühle nicht nur nachvollziehen, sondern beinahe selbst fühlen lassen. Ihre Sicht auf die Welt lässt einen sein eigenes Weltbild überdenken.

Die einzige Kritik, die ich anbringen könnte, ist, dass Sloan in der Erzählperspektive sehr stark hin- und herspringt. Willow, welche den Großteil der Geschichte erzählt, spricht in der Ich-Perspektive, während die Parts aller anderen Charaktere, die Passagenweise die „zentrale Position“ einnehmen, in der dritten Person geschrieben sind. Dies kann anfangs zu ein wenig Verwirrung führen, weil teilweise nicht sofort ersichtlich ist, aus wessen Sicht gerade erzählt wird.

Denjenigen unter euch, die auch mal gerne zu einem englischsprachigen Buch greifen, kann ich nur wärmstens empfehlen „Counting by 7s“ in der original englischen Version zu lesen. Allerdings ist diese vom Sprachniveau her durchaus anspruchsvoll und setzt entsprechende Sprachkenntnisse voraus. Im Vergleich dazu sind John Greens Bücher, wie zum Beispiel „Paper Towns“ („Margos Spuren“), „The fault in our stars“ („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) oder „An abudance of Katherines“ („Die erste Liebe [nach 19 vergeblichen Versuchen]“), die vielleicht eher auch auf Englisch gelesen werden, bedeutend leichter zu verstehen.

 

 

Jan Böhmermanns Schmähgedicht über Erdogan

Jan Böhmermann, dieser Name ist zurzeit in aller Munde. Aber was genau ist eigentlich geschehen, dass dieser eher durchschnittliche Satiriker auf einmal so berühmt bzw. berüchtigt ist?

Jän Böhmermanns Gedicht vom 31.03

Jan Böhmermann hat seine eigene Satire-Sendung namens „Neo Magazine Royal“ im ZDF. In der Sendung am 31.03 veröffentlichte er einen Dialog mit seinem Kollegen Ralf Kabelka.

Die beiden unterhielten sich über die Grenzen der Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung. Diese wird in Deutschland nämlich durch den Artikel 5 im Grundgesetz gewährleistet. Dieser Artikel beinhaltet, dass alle das Recht haben, ihre Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und dass die Presse nicht zensiert werden darf. Allerdings gibt es Grenzen; zum Beispiel darf das Recht der persönlichen Ehre nicht verletzt werden.

Jan Böhmermann und sein Kollege erklärten, dass sogenannte Schmähkritik, das heißt, dass nicht mehr ein bestimmter Sachverhalt kritisiert wird, sondern im Vordergrund die Beleidigung und Herabsetzung einer Person steht, in Deutschland nicht erlaubt ist und strafrechtlich verfolgt wird.

Daraufhin trug Böhmermann zur Verdeutlichung, was NICHT erlaubt sei, ein Gedicht vor, dass sich auf den türkischen Präsidenten Erdogan bezieht. Das Gedicht behinhaltet diverse vulgäre Ausdrücke und Beleidigungen. Böhmermann und Kabelka betonten mehrmals, dass das, was sie gerade machten, nicht legal sei, und hielten das Publikum sogar davon ab, zu applaudieren.

Böhmermann rief mit seinem Auftritt die Fragen „Was darf Kunst? Was darf Satire?“ wieder in das Bewusstein der Gesellschaft. Dennoch drängt sich zwangsläufig auch die Frage auf, welchen Zweck Böhmermann mit dem vulgären Inhalt verfolgte und ob dieser nicht womöglich auch zur „Unterhaltung“ dienen sollte.

Erdogans Klage

Erdogan klagte den deutschen Satiriker daraufhin an. Genaugenommen reichte er sogar zwei Klagen ein: einmal als Präsindent der Türkei und einmal als private Person.

Er bezog sich auf den §103 des Deutschen Strafgesetzbuches. Dieser Paragraph besagt, dass die Beleidigung von Organen oder Vertretern von außländischen Staaten verboten sind und mit einer Freiheitsstrafe sanktioniert wird.

§ 103 StGB
Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten

(1) Wer ein ausländisches Staatsoberhaupt oder wer mit Beziehung auf ihre Stellung ein Mitglied einer ausländischen Regierung, das sich in amtlicher Eigenschaft im Inland aufhält, oder einen im Bundesgebiet beglaubigten Leiter einer ausländischen diplomatischen Vertretung beleidigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe, im Falle der verleumderischen Beleidigung mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

(2) Ist die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen, so ist § 200 anzuwenden. Den Antrag auf Bekanntgabe der Verurteilung kann auch der Staatsanwalt stellen.

Dieser Prozess kann allerdings nach §104a StGB nur unter drei Bedingungen stattfinden:

  1. Die Bundesrepublik Deutschland unterhält diplomatische Beziehungen zu dem betroffenen Staat.
  2. Es liegt ein Strafverlangen der außländischen Regierung vor.
  3. Die Bundesregierung muss die Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilen.

Zusätzlich klagte Erdogan als private Person nach §185 StGB. Allerdings ist hier das Strafmaß mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe sehr viel geringer.

§ 185 StGB
Beleidigung

Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Die Reaktion der Bundesregierung

Die Bundesregierung muss nach §104 StGB der Strafverfolgung Böhmermanns zustimmen. Zu diesem Thema beriet die Bundesregierung sehr ausführlich. Bei der anschließenden Abstimmung kam es allerdings zu einer Pattsituation, das heißt, es konnte kein eindeutiges Ergebnis bestimmt werden.

Die Geschäftsordung der Bundesregierung besagt in diesem Falle, dass das Votum der Bundeskanzlerin eintscheidend für den Beschluss ist.

Angela Merkel stimmte für die Strafverfolgung Böhmermanns und so kann Böhmermann wegen der Klage nach §103 StGB für seine Äußerungen belangt werden.

Abschaffung des §103 StGB

Parallel wird nun über die Abschaffung des §103 StGB diskutiert. Der Paragraph wird als veraltet bezeichnet und selbst Merkel sagte, dass er „für die Zukunft entbehrlich“ sei. Bis 2018 soll er spätestens abgeschafft werden.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was passiert, wenn der Paragraph abgeschafft wird, bevor ein rechtskräftiges Urteil im Fall Böhmermann zustande kommt.

Die Antwort darauf ist simpel: Das Verfahren mit Bezug auf §103 StGB würde eingestellt werden. Allerdings verbleibt in diesem Fall immer noch Erdogans Klage nach §185 StGB, die dieser als Privatperson einreichte.

Böhmermann würde also immer noch belangt werden, das Strafmaß allerdings wäre mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe sehr viel geringer.

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage! – Nur ein Schild am Eingang?

Am Haupteingang unserer Schule hängt ein großes Schild. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ steht darauf. Doch was bedeutet das eigentlich? Und ist es nicht einfach nur ein weiteres Blechschild von vielen? Nein! Ganz und gar nicht!

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„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist eine Initiative, die 1988 von belgischen SchülerInnen und JugendarbeiterInnen ins Leben gerufen worden ist. Jetzt, 28 Jahre später, sind insgesamt 1.600 Schulen aus Belgien, Österreich, Spanien und Deutschland Teil der Initiative und setzten sich damit für einen fairen und guten Umgang miteinander ein.

Auch unsere Schule ist seit 2012 eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Hier in Seligenthal setzt sich die Unicef-Schülergruppe für das Projekt ein.

 „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist kein Zertifikat und keine Auszeichnung, viel mehr ist es ein Vertrag, mit dem sich die SchülerInnen, LehrerInnen und alle anderen „Angehörigen“ einer Schule DAUERHAFT dazu verpflichten, in Zukunft keine Art der Diskriminierung an der Schule zuzulassen, und einzuschreiten, falls jemand Opfer von Diskriminierung wird.

Um eine „Courage-Schule“ zu werden, müssen mindestens 70% aller an der Schule, das heißt alle, die dort lernen, lehren oder arbeiten, eine Vereinbarung im Sinne eines verbindlichen Vertrages unterzeichnen.

Die Verpflichtung bzw. der Vertrag beinhaltet folgende Punkte:

1. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Schule wird,   nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.

2. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, zukünftig einander zu achten.

3. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule ein mal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Neben diesen Punkten verpflichtet sich eine Schule außerdem dazu, Projekte und Infoveranstaltung zum Thema Rassismus und Diskriminierung anzubieten und so die Schüler darüber aufzuklären.

Denn die Worte Rassismus und Diskrimierung werden ständig von allen möglichen Personen in den Mund genommen und gerade in unserer Zeit, in der es viele Flüchtlinge in Deutschland gibt, ist Rassismus (leider noch immer) ein Thema.

Doch was ist Rassismus eigentlich und wie unterscheidet er sich von der Diskrimierung?

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Diskriminierung bedeutet, dass Menschen aufgrung bestimmter Eigenschaften, beispielweise der Hautfarbe oder Behinderungen, ausgegrenzt oder nicht gleichwertig behandelt werden.

Rassismus geht dagegen noch einen Schritt weiter. Er „unterteilt“ die Menschen in verschieden „Rassen“ und lehrt, dass die eine „Rasse“ mehr wert ist als eine andere, und damit Menschen unterschiedlicher Herkunft, wegen eines anderen Glaubens oder einer anderen Weltsicht einen „minderen Wert“ haben. Der Rassismus der Nationalsozialisten ging so weit, dass Menschen einer aus ihrer Sicht „minderwertigen oder „unterlegenen“ Rasse nicht die gleichen Rechte haben (durften) wie Menschen, die zu  einer „überlegenen Rasse“, zu der sich die Nazis zählten, gehörten. Der Hass der Nazis (v.a. gegen Juden und Sinti und Roma) steigerte sich ins Unermessliche, forderte Millionen Menschenleben und stürzte die halbe Welt in Tod und Elend. Somit ist der Rassismus eine sehr heftige Form der Dikriminierung und kann nie gedachte Ausmaße annehmen. Besonders gefährlich wird Rassismus dann, wenn er geduldet wird. Rechtsradikale und Rassisten versuchen noch immer, Stimmung gegen andere Menschen oder Menschengruppen zu machen.

Auch heute noch gibt es also Ausgrenzung, Hass und rassistische Hetze in aller Welt. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ richtet sich gegen jede Form (nicht nur rassistischer) Ungerechtigkeiten an Schulen und leistet somit einen Beitrag für eine friedliche und bunte Gesellschaft – eben ohne Hass und Ausgrenzung.

Das Schild am Eingang zu unserer Schule ist nicht einfach nur ein weiteres Blechschild von vielen. Mit eurer Unterschrift UND der Entscheidung, auf unsere Schule zu gehen, verpflichtet ihr euch, dauerhaft gegen Rassismus einzutreten und zu einem guten Schulklima beizutragen.

Aber nicht nur IN der Schule müssen wir aufeinander schauen – auch AUßERHALB gilt die Verpflichtung. Die Initiative „Schule ohne Rassimus“ kann nur funktionieren, wenn alle mithelfen. Und diese Hilfe und Bereitschaft darf nicht aufhören, sobald man die Schule verlässt!

Buchrezension zu „Momo“ von Michael Ende

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Fakten zum Buch „Momo“

Das Buch „MomoDie seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte“ wurde von Michael Ende geschrieben und ist 1973 erschienen.

Über den Autor 

Michael Ende ist ein bekannter deutscher Schriftsteller, der 1929 in Garmisch geboren wurde und 1995 verstarb. Er schrieb unter anderem auch „Die unendliche Geschichte“, „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ und „Jim Knopf“.

Zum Inhalt

Momo ist ein kleines Mädchen, das alleine in einer Ruine eines Amphietheaters am Rande der Stadt lebt. Sie trägt zu große Kleidung, kann weder lesen noch schreiben, und weiß nicht einmal, wie alt sie ist. Und doch kommen die Leute gerne zu Momo. Warum? Weil sie zuhören kann, besser als jeder andere. Sie hört so zu, dass den Menschen tolle Ideen kommen und Streitende ihren Konflikt dadurch am Ende selbstständig lösen können. Und noch etwas hat sie mehr als alle anderen: Zeit. Die hat sie immer und für alle, lässt sich nie aus der Ruhe bringen. Und damit kommt sie unwissentlich den Grauen Herren in den Weg, denn deren Zielobjekt ist die Zeit der Menschen. Sie drängen die Menschen zum Zeit-Sparen mit dem Versprechen, die Zeit zu sehr gewinnbringenden Zinsen anzulegen. So unglaubwürdig das klingen mag, die Grauen Herren haben ihre Mittel und Wege, um die Menschen so von ihren fragwürdigen Plänen zu überzeugen, dass diese sogar glauben, es wäre ihr eigener Entschluss gewesen. Momos Freunde haben dadurch immer weniger Zeit für sie, bis die meisten aus Zeitmangel sogar ganz aus Momos Leben verschwinden. Das kleine Mädchen gerät währenddessen immer mehr in die Schusslinie der Grauen Herren. Zusammen mit dem mysteriösen Meister Hora, der für das Zuteilen der Zeit an die Menschen zuständig ist, und dessen Schildkröte Kassiopeia, schmiedet sie einen Plan, um die grauen Herren aufzuhalten und ihre Freunde aus deren Fängen zu befreien.

!!! Meine Meinung / Empfehlung !!! 

Momo ist auf den ersten Blick ein schönes Jugendbuch, das man auch Kindern vorlesen kann. Befasst man sich allerdings etwas genauer mit dem Inhalt, so fällt auf, dass dieser sehr tiefgründig ist. Denn Michael Ende kritisiert mit diesem Buch den Kapitalismus, das vorherrschende Geldsystem und die an Effizienz und Produktion orientierte Wirtschaft. Es hat mich faziniert, wie sehr die Geschichte mit dem nötigen Hintergrundwissen an Tiefe gewinnt. Michael Ende versteht es, den Leser mit seiner Wortwahl regelrecht in seine Geschichten hineinzusaugen, eine Eigenschaft, die mir auch schon bei seinen anderen Büchern aufgefallen ist.