Moderne Musikproduktion Teil 1

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Das ist wahrscheinlich das Bild schlechthin, das Leute von moderner Musikproduktion haben. Viele Farben, Felder und vor allem sehr viele Regler und Knöpfe mit irgendeiner Aufschrift. Das ist aber nur der Schein. Dahinter steckt ein einheitliches und logisches System, das man halt erst einmal erkennen muss. Ich werde versuchen, euch die moderne Media-Production näher zu bringen. Um genau zu sein: die Musik-Produktion. Auf visuelle Medien werde ich aber bestimmt auch demnächst einmal zusprechen kommen. Aber nun zurück zum Thema.

Wie geht moderne Musikproduktion?

Diese Frage werden sich wahrscheinlich viele Hobby-Musiker stellen. Viele kenne vielleicht auch gerade die Situation: man hat eine tolle Idee für einen Song, aber keine Ahnung, wie man ihn aufnimmt oder ähnliches. Mit einem USB-Mikrofon und einem Freeware-Aufnahmeprogramm ist es nämlich leider nicht getan. Denn nach der Aufnahme wird man meistens merken, dass es sich nicht gut vom Sound her anhört und es gar kein Vergleich zu professioneller Musik ist. Viele denken dann wahrscheinlich, dass es einfach an der Hardware liegt und das Mikrofon einfach nicht so gut ist, wie man es bräuchte, und somit auch keine Chance besteht, eine gute Aufnahme hinzubekommen. Das stimmt aber eher selten. Man kann auch mit „schlechter“ Hardware wirklich gute Sounds hinbekommen. Denn die „Magie“ passiert in der Software. Was genau gemacht wird, will ich euch erklären und euch die „Tricks“ der Profis zeigen.

Was brauche ich?

Die wahrscheinlich wichtigste Frage – und die Antwort wird wahrscheinlich einige überraschen – ist immer die danach, was man überhaupt machen will. Wenn man einen orchestralen Track aufnehmen will, werden andere Sachen benötigt, als wenn man sich auf EDM konzentriert. Aber grob gesagt, wird meist das gleiche benötig. Zunächst zur Software:

Es gibt in der heutigen Zeit natürlich eine Menge Software, die für das Musizieren benutzt werden kann – und dabei natürlich auch ganz unterschiedliche Preisklassen. Von kostenlos bin ca. 1000,- € kann so ziemlich alles vertreten sein. Aber so manche DAW (Digital Audio Workstation) eignet sich besser für das eine als für das andere. Ich werde hier kurz über die bekanntesten sprechen und dann noch auf Freeware eingehen.

Fangen wir mit Pro Tools an. Wenn ein Audio Engineer von einer DAW spricht, meint er in 90% der Fälle Pro Tools.  Es wird so ziemlich in allen großen Studios verwendet aufgrund seiner großartigen Audioverarbeitung. Aber es empfiehlt sich definitiv nicht für Anfänger. Nicht nur ist es in der Aktuellen Version von 12.3 mit 665,- € nicht nur nicht günstig, sondern auch relativ schwer zu bedienen, was vor allem für Anfänger eine große Hürde sein könnte.

Dann wäre da natürlich noch Cubase. Ja, die von viele „verehrte“ Software für EDM aber auch Arbeit mit Samples. Was gibt es zu Cubase zu sagen? Nun ja, zunächst kann man getrost sagen, dass Cubase ein gutes All-Round-Paket an Native-Plugins mitbringt. Einen netten Synth (den HALion Sonic SE) und eine gute Anzahl an Effekten, zumindest wenn man die richtige Version hat, und da ist auch schon das Manko, das aber auch etwas gutes hat. Es gib nicht nur eine Cubase-Version, sondern gleich drei. Wenn man LE AI mitzählt, dann sind es sogar vier, aber die lassen wir außen vor. Diese Versionen haben zwar alle ihren eigenen Preis, aber auch ihre Einschränkungen (außer die „Vollversion“ Pro).  Die Preise wären 99,99 € für die Elemente-Version, bei der alleine schon Side-Chainen nicht möglich ist. 299,- € für die Artist-Version, bei der eine relativ niedrige  Begrenzung für Spuren „eingebaut“ ist und 549,- € für die Pro Version ohne Einschränkungen. Alle sind nicht wirklich günstig und die Elements-Version iihr Geld nicht wirklich wert.

Die einzige DAW, die man auf einem Mac Book oder iMac verwenden sollte, darf man natürlich auch nicht vergessen – nämlich: Logic Pro X. Dieses Programm lässt keine Wünsche offen. Es ist perfekt auf die Benutzung für Apple-Produkte abgestimmt (was auch daran liegt, dass es sie nicht für Windows gibt) und hat eine feste Version ohne Einschränkung. Es kommt mit einer guten Auswahl an Standardsounds und Drum-Samples, aber auch mit tollen Synthesizern daher. Von den Effekten sind auch alle wichtigen und sogar noch mehr dabei. Leider ist der Preis wieder ein eigenes Thema. Mit 199,- € ist das Programm zwar erschwinglich, aber immer noch nicht günstig. Ihr werdet aber noch sehen, dass man gar nicht so viel Geld ausgeben muss.

Das waren die bekanntesten Kommerziellen DAWs. Natürlich gibt es noch Adobe Live, Fl Studio oder Sonar, aber man muss auch irgendwo Grenzen ziehen, damit es nicht unübersichtlich wird. Diese Programme sind alle höchst professionell und außerdem entsprechend teuer, aber für Anfänger gar nicht nötig. Hier eine kurze Auflistung der „besten“ oder eher bekanntesten kostenlosen DAWs:

Audacity: Die Audio Bearbeitung Software 01. Jeder, der sich mit der Materie ein wenig beschäftigt hat, kennt Audacity wahrscheinlich. Es ist nicht schwer zu benutzen und hat ausreichend Bearbeitungsmöglichkeiten für den Anfang. Das einzige wirkliche Manko ist, dass man keine Midi-Events oder Automations in Audacity einstellen kann, aber das ist auch gar nicht nötig, da dieses Programm allein für Audiobearbeitung gedacht ist.

Und das war es leider schon. Naja, nicht wirklich. Man könnte natürlich noch auf Ardour, MusE oder Qtractor usw. eingehen, aber diese Programme sind bei weitem nicht so bekannt wie Audacity und dieses Programm reicht für Anfänger in der Musik – zumindest solange, wie man nur Wav, Mp3 etc. Samples benutzen möchte. Was es sonst noch gibt, wird später noch genauer erläutert.

Audacity_Cover

Die wichtigsten Funktionen hat grundsätzlich so ziemlich jede DAW (für Arbeit mit WAV Dateien). Lass euch also nicht von irgendeinem „Profi“ sagen, dass ihr unbedingt dieses oder jenes VST braucht. Es kann schon sein, dass es gut ist, aber unbedingt benötigt wird es sehr wahrscheinlich nicht. Was zählt, ist der kundige Umgang mit dem, was man hat.

Pro Tools_Cover

Nun zur Hardware. Und dabei müssen wir leider direkt einen wichtigen Begriff klären, der wesentlich schwieriger klingt, als er zu verstehen ist, nämlich

Musical Instrument Digital Interface

oder kurz: MIDI – Was ist MIDI?

Kurz gesagt, ist es der Standard für den Austausch musikalischer Steuerinformationen zwischen elektronischen Instrumenten (z. B. Keyboards oder Synthesizer).

Einfacher: MIDI ist ein Signal, das entweder einer Note aus dem Notensystem  entspricht oder einer „Werteskala“ für + und – Einheiten. (z.B. C5 oder lauter, leiser)

Dieser Begriff wird vor allem für EDM-Musik (electronic dance music) wichtiger und wird deshalb später noch das ein oder andere Mal auftauchen. Aber auch in der Hardware-Sektion wird er vorkommen.

Zunächst widmen wir uns dem Audio Interface oder dem Mischpult, genauer: den Unterschieden. Eigentlich liegen diese hauptsächlich in der Anzahl der Eingänge. Ein Mischpult hat meistens mehr als ein Audio-Interface, um mehrere Inputs gleichzeitig abzumischen. Ein Audio-Interface hat nur wenige Eingänge (meistens). Manchem wird das jetzt vielleicht ein Begriff sein, anderen nicht. Ein Audio-Interface ist kurz gesagt eine Schnittstelle für Sound. Der Ton (z. B. von einem Mikrofon) wird in das Audio-Interface geleitet (über XLR, Cinch oder Klinke) und von dort über meist einen gewählten Output gebündelt weitergeleitet. Die meisten PCs haben mittlerweile ein eingebautes Audio-Interface, die Soundkarte. Aber da die oft von der Qualität nicht so überzeugend ist, werden meistens externe Audio-Interfaces verwendet. Es gibt drei Arten von externen Audio-Interfaces, die sich in ihrer Schnittstelle – oder anders gesagt Verbindungs-Möglichkeiten – unterscheiden. Darunter zählen die vor allem bei Neulingen weit verbreiteten USB-Audio-Interfaces (Unterschieden: USB A und USB B, die bekanntesten Audio Interface mit Firewire Schnittstelle -> Unterschiede: Firewire 400 4-Polig, Firewire 400 6-Polig und Firewire 800 9-Polig) und die speziell für Apple-Produkte hergestellten Thunderbolt-Audio-Interfaces. Jedes davon hat seine Vor- und Nachteile. Thunderbolt werde ich hier auslassen, da es sich dabei – wie gesagt – um spezielle Apple-Schnittstellen handelt.

USB: Zuerst die Vorteile. So ziemlich jeder PC oder auch Laptop hat einen USB-Port, also kann man es auch ohne Zusatzhardware benutzen. Ein Nachteil ist, dass es im Allgemeinen langsamer überträgt als ein Firewire Kabel. Das ist für niedrige Latenzen (dieser Begriff wird später erklärt) störend und dadurch kann es zu Störgeräuschen kommen. Desweiteren können bei FireWire die Geräte auch eigenständig untereinander kommunizieren,  während USB in einer Art Baumstruktur anlegt ist und einen steuernden „Kopf“ (den so genannten Host) benötigt, der in aller Regel vom Computer bereitgestellt wird.

Firewire: Wie bereits erwähnt, können FireWire-Geräte auch ohne Host miteinander verbunden werden und die Übertragungsrate ist höher, was eine niedrigere Latenz zulässt. Das Problem bei FireWire ist, dass nicht jeder PC einen FireWire Port hat und Laptops eigentlich fast nie. Das heißt, man müsste eine extra Steckkarte kaufen, die man über PCI mit dem Computer verbindet, um ein FireWire-Gerät anzuschließen zu können.

Musik, Mischpult, Regler, Sound, Mischer, Musikanlage

Modernes Mischpult

Das Mikrofon: Bei Instrumentabnahmen oder Vocals handelt es sich um das wichtige Stück des Equipments. Ganz wichtig ist es zu verstehen, dass teuer/teurer nicht gleich besser bedeutet. Ein gutes Mikrofon hat natürlich seinen Preis, aber es gibt verschiedene Arten von Mikrofonen, die für Unterschiedliches benutzt werden können. Natürlich kann man mit jedem Mikrofon Aufnahmen machen, aber es sollte am Ende schließlich gut klingen. Ich werde kurz auf die verschiedene Arten von Mikrofonen gehen und erklären, für welche Zwecke sie jeweils (meistens) verwendet werden. Man kann Mikrofone in verschieden Kategorien einteilen, ich werde hier die allgemein gültigen Varianten beschreiben. Aber zuerst muss man ein paar wichtige Begriffe klären. Richtcharakteristik, Frequenzverlauf, Übertragungsbereich und Grenzschalldruckpegel. Das sind alles Details, die beim Kauf eines Mikrofons in Betracht bezogen werden sollten.

Die Richtcharakteristik eines Mikrofons gibt an, in welche Richtung der Schall stark oder weniger stark aufgenommen wird. Wichtig dabei ist, dass diese Angabe bei verschiedenen Frequenzwerten variieren kann. Es gibt verschiedene Arten.

  • Richtcharakteristik Niere: Das bedeutet, dass das Mikrofon „nur“ den Schall, der von vorne auf die Membran auftrifft, aufgenommen wird. Der seitlich auftreffende ist deutlich weniger hörbar, der der Rückseite am wenigsten. Bei Super- oder Hyperniere ist dieser Effekt stärker ausgeprägt.
  • Richtcharakteristik Kugel: Mikrofone mit dieser Richtcharakteristik reagieren auf alle Schallquellen aus allen Richtungen (natürlich abgesehen von der Schnittstellenseite) gleich empfindlich. Eine „Variation“ davon ist die Halbkugelrichtcharakteristik, die meist Ganzflächenmikrofone besitzen.
  • Richtcharakteristik Acht: Hier wird der Schall von Vorder- und Rückseite am besten aufgenommen, von den Seiten dementsprechen schlecht.

Sogenannte Multi-Pattern-Mikrofone besitzen eine verstellbare Richtcharakteristik.

Frequenzverlauf: Das Diagramm oder die Werte für diesen Parameter geben darüber Auskunft, wie empfindlich ein Mikrofon auf eine gewisse Frequenz reagiert. Dann nicht jede Frequenz wird gleich stark aufgenommen. Das wäre zumindest der Idealfall, der bis jetzt mit keinem Mikrofon wirklich erreicht werden konnte. Diese Werte sind vor allem für Toningenieure wichtig, da jene ein unterschiedliche Mikrofone wegen ihrer speziellen Werten verwenden.

Übertragungsbereich: Diese Information über ein Mikrofon ist eine der wichtigsten. Ich habe schon oft genug gehört, dass sich jemand ein spezielles Mikrofon gekauft hat, und sich am Ende darüber beschwert, dass es die Highs (Höhen) nicht richtig aufnimmt oder allgemein eher „unklar“ klingt. Das hätte ganz einfach verhindert werden können, hätten diese Personen einfach auf den Übertragungsbereich geachtet. Diese Werte geben nämlich an, welchen Frequenzbereich das Mikrofon aufnimmt. Zumindest ist das die Laien-Variante, denn ein Mikrofon mit einem Frequenzbereich von 200 Hz bis 20 kHz nimmt immer auch noch 100 Hz und tiefer war. Der Übertragungsbereich wird nämlich gemessen, indem getestet wird, in welchen Frequenzen der Pegel 3 dB unter der Aufnahme bei 1 kHz liegt. Wer keine Lust hat, darauf zu achten (auch wenn das sehr zu empfehlen ist), sollte sich ein Großmenbran-Mikrofon holen. Dieses hat meisten einen Wert von 20 Hz bis 20 kHz.

Grenzschalldruckpegel: Dieser Wert gibt an, ab welchem Pegel ein Mikrofon beginnt, verzehrt zu klingen – genauer gesagt, wann es bei 1 kHz einen Klirrfaktor von 0,5% oder 1% übersteigt. Je höher, umso besser. Dynamische Mikrofone sind in den meisten Fällen darin besser, weshalb sie oft auch für die Aufnahme eines Schlagzeugs benutzt werden.

Nun zu den Arten von Mikrofonen:

Dynamische Mikrofone: Meist wird von Spulen oder Tauchspulenmikrofonen gesprochen, wenn von dynmaischen Mikrofonen die Rede ist, aber auch die Bändchenmikrofone gehören zu dieser Art, da sie auch nach dem Induktionsprinzip funktionieren. Das bedeutet, dass (im Falle eines Tauchspulenmikrofonen) Schall auf eine an einer Spule befestigten Membran auftrifft und diese sich dann in einem Magnetfeld bewegt, und dadurch eine Spannung erzeugt. Diese Methode des Aufnehmens hat Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite hat die Membran ein relativ großes Gewicht. Dadurch ist das Impulsverhalten verhältnismäßig schlecht (im Vergleich mir Bändchen- oder Kondensatormikrofonen. Das führt dazu, dass die Töne so ab 10 kHz (ca. A#9) nicht mehr so gut aufgenommen werden, was in Tonstudios eher unerwünscht ist (man kann damit aber wunderbar Bässe abnehmen). Allerdings erlaubt das eine sehr robuste Bauweise, die für Live-Aufführungen definitiv erwünscht ist. Bei Mikrofonen dieser Art ist meist eine Nierencharakteristik vorhanden. Das muss aber nicht zwangsweise so sein.

Bändchen-Mikrofone: Eigentlich gehören diese Mikrofone aufgrund des verwendeten Induktionsprinzips auch zu den Dynamischen Mirkofonen, aber sie werden meistens als in einer eigenen Kategorie zusammengefasst. Das liegt darans dass sie einen für viele „besseren“ oder eher wärmeren/sanfteren Sound hinbekommen als ein Spulenmikrofon. Bändchen-Mikrofone benutzen keine Schwingspule, sondern ein gefaltetes Aluminiumplättchen. Dadurch ist das Mikrofon sehr leicht, was zu einem besseren Impulsverhalten führt. Das Problem ist allerdings, dass eine nur sehr schwache Spannung entsteht und man deshalb einen guten/rauscharmen PreAmp (Vorverstärker) benötigt, um einen guten Sound zu bekommen, der am Ende auch laut genug ist.

Kondensator-Mikrofone: Der Klassiker unter den Mikrofonen, bekannt für seinen natürlichen und naturgetreuen Sound – und das zurecht.  Jeder, der schon einmal das Vergnügen hatte, mit einem Spulen- und einem Kondensatormikrofon (egal ob Röhre oder nicht) einen Tonvergleich zu machen, wird festgestellt haben, dass, wenn es sich um zwei gleichwertige Mikrofone handelt, das Kondensatormikrofon wesentlich realistischer klingt. Das liegt an der Verwendung eines Plattenkondensators (daher kommt auch der Name). Dieser muss statisch aufgeladen werden. Dafür wird die sogenannte Phantomspeisung über XLR Kabel in das Mikrofon geladen.

USB Mikrofone: Diese Art von Mikrofonen ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Das hat zwei Gründe. Erstens: es besitzt einen eingebauten Pre-Amp. Das bedeutet, dass man keinen externen Verstärker mehr benötigt, was nicht nur gut für den Geldbeutel ist, sondern auch für die Benutzerfreundlichkeit. Zweitens: es besitzt einen eingebauten A/D Wandler. Das hat zu Folge, dass das Signal direkt in ein digitales Signal umgewandelt werden kann und somit über das USB Kabel direkt in den Computer weiter geleitet werden kann. Die Qualität kommt jetzt zwar nicht an die eines Kondensatormikrofons heran, durch seine Vorteile hat das USB-Mic aber natürlich seine Berechtigung.

Spulen_MikrofonSpulenmikrofon

Bändchen_MikrofonBändchenmikrofon

Audio, Kondensatormikrofon, Musik, Tonaufnahme

Kondensatormikrofon

Monitore: Sie dürfen nicht mit Bildschirmen verwechselt werden. Monitor ist im Prinzip ein anderes Wort für Lautsprecher, also eine Wiedergabequelle mit eingebautem Amp. Das ist aber nur bei aktiven Monitoren so. Beim Kauf von Monitoren ist einiges zu beachten und es ist nicht leicht, den richtigen für seine Bedürfnisse zu finden. Nun sollen die zwei Arten von Monitoren erklärt werden:

Aktive Monitore: Das sind – wie bereits erwähnt – das, was am ehesten an den Begriff Lautsprecher heran kommt, eine Wiedergabequelle mit eingebautem Verstärker. Das hat den Vorteil, dass man keinen externen braucht, aber den Nachteil, dass dieser eingebaute Verstärker mitbezahlt werden muss.

Passive Monitore: Wenn man bereits einen guten PreAmp (Vorverstärker) hat oder sich sowieso noch einen kaufen möchte, sollte das die erste Wahl sein. Diese Art von Monitoren besitzt nämlich keinen eingebauten Verstärker. Das heißt, dass, wenn man für den selben Preis den man für Aktive Monitore ausgeben würde, besseres Equipment bekommt, man den internen Verstärker nicht mitbezahlen muss. Das stimmt zumindest, wenn das Produkt an sich preiswert ist.

Nun zu den Fragen, die mir am häufigsten gestellt worden sind, wenn sich jemand Monitore zulegen wollte:

  1. Kannst du mir irgendwelche Monitore empfehlen? Meine Antwort auf diese Frage wird immer „Nein“ sein. Das liegt einfach daran, dass jeder ein anderes, individuelles Empfinden für Ton hat. Für mich könnte so mancher Monitor einen „perfekten“ Sound haben, andere wiederum finden ihn womöglich „schrecklich“. Die einzig sinnvolle „Empfehlung“ sollte sich daher auf passable Marken beschränken.
  2. Wie sollten gute Monitore klingen? Wie bereits erwähnt, kann man das nicht genau sagen. Es gibt aber allgemein anerkannte Meinungen. Monitore sollten möglichst neutral klingen. Das heißt, es sollte eine gute Balance zwischen Bässen, Mitten und Höhen bestehen.
  3. Wo kaufe ich Monitore? Ganz klar im Musik-Shop deines Vertrauens. Das wichtigste beim Kauf von Monitoren ist das Test-Hören. Gehe also in den Laden und nimm dir viel Zeit. Bei guten Monitoren wirst du nur geringe Unterschiede wahrnehmen, aber auch diese sollten beachtet werden. Frage nach, ob du einen eigenen Input (Soundquelle) benutzen darfst und höre dir Songs an, die du gut kennst, und vergleiche sie. Am besten nimmst du Songs von einem Genre, das du selbst „produzieren“ willst und dann höre dir alle Songs so lange an, bis du die Monitore gefunden hast, die deiner Meinung den besten Sound haben.
  4. Ich habe mir kürzlich Monitore zugelegt. Ich habe sie im Laden gekauft und sie haben eigentlich super geklungen. Nun habe ich sie im Homestudio aufgebaut und es klingt komplett anders. Was mache ich falsch? Du hast gar nichts falsch gemacht. Das Problem liegt wahrscheinlich am Raum. Dieser hat nämlich einen sehr großen Einfluss auf den Sound. Das fängt bei der Größe an, geht über das Material der Wände und endet bei der Form. Das Beste, das du dagegen machen kannst, ist es, dich im Laden zu erkundigen, ob der Verkäufer entsprechende Tipps geben kann. In professionellen Läden sollten sich die Verkäufer damit auskennen. Manche Läden haben sogar unterschiedliche Testräume und diese sollte man auf jeden Fall nutzen. Falls es diese Möglichkeit nicht gibt, kann man auch fragen, ob man Monitore „mieten“ kann, um sie zu testen. Das geht nicht immer, aber oft kann man ein gebrauchtes Modell mitnehmen und austesten.
  5. Wie groß sollten gute Monitore sein? Es kommt drauf an, wie groß der Raum ist, in dem du sie aufstellen möchtest. In einem kleinen wirst du keine großen Boxen brauchen. Allerdings spielt auch das Genre, das du abmischen willst, eine Rolle. Für Hip-Hop musst du z. B. schon in Betracht ziehen, dir einen Subwoofer zu holen, da in diesem Genre der Bass eine herausragende Rolle spielt.
  6. Wie viel sollten gute Monitore kosten? Dafür gibt es natürlich keine genaue Antwort, aber da sie ein Schlüsselelement für deine Produktion sind, solltest du einen großen Teil deines Budgets in sie stecken. Man kann mittlerweile wirklich gute Monitore für je 200€ bekommen.
  7. Kann ich nicht einfach Kopfhörer benutzen? Natürlich geht das, bringt aber auch den ein oder anderen Nachteil. Ersten besteht bei Mikrofonen die Gefahr, dass sich der Bass zwar auf den Kopfhörern gut anhört, auf einer Anlage hingegen übersteuert, da Kopfhörer häufig den Bass nicht so stark wiedergeben. Zweitens wird man beim Monitoring mit Kopfhörern schneller müde. Zumindest geht es mir so, und ich weiß leider nicht, warum das so ist. Der Effekt der Müdigkeit ist zwar kein sonderlich problematischer, er sollte aber bedacht werden. Gute Kopfhörer kosten übrigens auch relativ viel Geld (Startpreis zwischen 300€ und 400€).

Monitor_Cover

Monitor

Nun zum Mater-Keyboard oder genauer zum Midi-Master-Keyboard. Jetzt wird es vor allem für Freunde der EDM interessant. Ein Midi-Master-Keyboard sieht vielleicht aus wie ein ganz normales Keyboard, funktioniert aber etwas anders. Denn im Gegensatz zu einem „normalem“ Keyboard hat ein Midi-Master-Keyboard keine eigenen Sounds. Es ist nur dafür, da Plugins zu bedienen. Das funktioniert so: Das Master-Keyboard wird über ein Midi-Kabel mit dem Audio-Interface verbunden, was über FireWire, USB oder Thundebolt mit dem PC oder direkt über USB mit dem PC verbunden wird. Wenn man jetzt eine Taste auf dem Master-Keyboard drückt oder einen Fader bewegt, wird das entsprechende Midi-CC-Signal an den Computer gesendet und dieser leitet es an die DAW weiter, diese wiederum führt den zugewiesenen Befehl aus. Wenn man also ein Plugin offen hat und ein C5 auf dem Master-Keyboard spielt, spielt auch das Plugin ein C5 (soweit möglich). Wichtig bei Kauf eines Master-Keyboards ist nur, dass man sich nicht von vielen Knöpfen oder Reglern täuschen lässt. Diese werden eigentlich nicht benötigt und sparen höchstens nur ein bisschen Zeit. Wichtig ist lediglich, dass du eine Tastenzahl hast, mit der du zufrieden bis. Es gibt 25, 49, 61, 76 und 88. Wenn du bereits ein Keyboard besitzt, das Midi-Ausgänge besitzt, musst du dir nicht extra ein Masterkeyboard holen – vorausgesetzt, du hast ein Audio-Interface mit Midi-Input.

Die restliche Hardware, die man bei Profis sieht (z. B. Chaos Pads oder Loop Stations) sind eher Spielereien und werden vor allem am Anfang gar nicht benötigt.

Software:
Hierzu gibt es eigentlich gar nicht so viel zu sagen. Man wird am Anfang eigentlich nichts anderes als die von der DAW mitgelieferten Plugins brauchen. Natürlich gibt es bessere und schlechtere Software. Beispielsweise schwören viele Musiker auf den EQ von iZotope Ozone 5,6 oder 7, da dieser eine wirklich gute und genaue Verarbeitung hat, aber das sind dann wirklich die genausten Details, die dabei beachtet werden müssen, um einen echten Unterschied zwischen dem und dem parametrischen EQ z. B. von FL Studio erkennen zu können. Entscheidend ist der kundige Umgang mit der Software. Daher gehe ich nun genauer auf die Standards des Mixings ein. Eigentlich würde ich nun zu Pro Tools greifen, aber aus visuellen Gründen sind die Screenshots aus FL Studio. Grundsätzlich „taugt“ aber jede DAW.

Grundaufbau einer DAW: In so ziemlich allen DAWs gib es ein Edit-Fenster und eine Mixer-Konsole. Diese sehen von DAW zu DAW verschieden aus, können aber im Prinzip alle dasselbe. Im Edit-Fenster werden Midi-Events, Audiodatein oder Automation-Clips arrangiert. Dort wird also der Song zusammen gebaut. In der Mixer-Konsole oder im Mix-Fenster werden Effekte hinzugefügt, das Panning angepasst, die Lautstärke eingestellt und die Stereoseparation verstellt. Hier werden also die einzelnen „Bauteile“ des Songs „eingestellt“, damit diese möglichst so zu klingen, wie man es sich wünscht.

Aufbau der Hauptfenster: Dieser ist natürlich auch nicht immer gleich, aber bei den meisten DAWs sehr ähnlich. Nur Reason sticht wirklich aus der Masse raus. Im Edit-Fenster sind meistens oben die wichtigsten Tools angebracht, z. B.  Zoom, Slice, Auswahl, löschen, Stummschalten und Hinzufügen. Diese Tools werden verwendet, um die einzelnen Events (Midi, Audio oder Automation) richtig zu plazieren oder eben anzupassen. Dann ist natürlich noch der Arrangement-Bereich zu erwähnen. In diesem werden alle Events veranschaulicht und dort wird auch mit den eben genannten Tools interagiert. Wenn sie nicht als externes Fenster angebracht sind, werden in diesem Fenster meistens auch die Steuerelemente der DAW angebracht – als Start, Stop, Aufnahme, Metronom und BPM. Die Mixer-Konsole sieht komplett anders aus. Hier werden einem Pegelanzeigen, Knobs und Fader zur Verfügung gestellt, um die einzelnen Channel anzupassen. Des Weiteren sind in diesem Fenster auch die Inserts für Effekte. Die Pegelanzeige gibt Auskunft über die Lautstärke des Channels oder, im Falle des Master-Channels, über die Lautstärke aller gerade spielenden Events. Die Knobs sind meist für Panning und Stereo-Separation da und die Fade für die Kontrolle über die Lautstärke.

DAW_EditDAW edit

DAW_MixDAW Mix

DAW_MainControllDAW Main Control

Tool BarTool Bar

Der Master-Channel oder kurz nur Master ist der wichtigste Channel von allen. Alles, was nicht über den Master geht, hört man nicht. Deshalb ist in jeder DAW standardmäßig bei Erstellen eines neuen Channels das Routing auf den Master gelegt (gegebenenfalls auch auf Send-Channel). Das bedeutet nichts anderes, als dass der Input von einem Channel auf den Master geleitet wird und dieser den Sound dann an die Lautsprecher übermittelt. Wie man sieht, sind die Pegel des Masters und des Piano-Channels absolut gleich, da zu diesem Zeitpunkt nur das Piano spielte. Da beim Zweiten Bild auch ein Paar Strings mitgespielt haben und der Master beide verarbeitet hat, sind die Pegel nicht mehr gleich.

DAW_Mix_Bsp2DAW_Mix_Bsp1

Ein Midi Event: Das ist nichts anderes als eine Reihe von Signalen, die an ein Plugin weitergeleitet werden, in diesem Fall an das Sampler-VST reFX Nexus 2. Nun werden die zugewiesenen „Befehle“ ausgeführt. Da es sich hier um Notensignale handelt, spielt das Plugin die Noten und dadurch die Melodie. Ein Midi Event muss aber nicht unbedingt nur Notensignale beinhalten. Auch Automations gehören zu Midi-Events, obwohl sie meistens einzeln gelistet werden. Das Bild zeigt einen Automation-Clip für die Lautstärke eines String-Synths. Die Linie repräsentiert den Wert des Lautstärke-Faders. Das heißt also, wenn die Linie nach unten geht bewegt, sich auch der Fade nach unten bewegt, und somit der String-Synth leiser wird. Ein Automation-Clip muss aber nicht nur auf den Lautstärke-Fade angewendet werden. Auch Panoramabilder können damit verändert werden, der Cutoff eines Filters oder auch der Parameter Q (die Flankensteilheit) eines EQs kann damit geregelt werden. Fall benötigt, kann auch der On- oder Offwert eines Effekts, also der Bypass bzw. Mute oder auch Solo, entsprechend angepasst werden. Vor allem in der EDM (electronic dance music) werden Automation oft verwendet, um z. B. in Dubstep zum Drop hin zu führen. Aber auch in anderen Genres kommt Automation zum Einsatz, da an manchen Stellen ein Instrument lauter sein soll als ein anderes, um ein entsprechendes „Feeling“ zu erhalten bzw. um einen besseren Klangeffekt zu erzeugen.

Audio Events: Das ist nicht anderes, als beispielsweise eine WAV, Mp3 oder FLAC in die DAW zu ziehen, um sie dort abspielen zu lassen. Das kann ein Drum-Sample sein oder, im Fall von Mashups, auch ein ganzer Song. Es kann theoretisch genau so bearbeitet werden wie ein Midi Event. Das heißt, es kann über einen Mixer-Channel geleitet werden. Auch Effekte mit Automations können hinzugefügt werden. Zudem ist Pitching und Time-Streching ist möglich.

DAW_Event_Midi

DAW_Event_Audio

DAW_Event_Auto

Wie geht eine Aufnahme in einer DAW?

Das ist gar nicht so schwer! In Wirklichkeit ist es sogar richtig einfach, wenn man es einmal verstanden hat. Man muss nämlich nur auf Record drücken. Dann ist aber die Frage, was man aufnehmen will. FL Studio fragt jedes Mal nach, wenn man auf Record drückt, was genau man aufnehmen möchte: Audio, Midi-Noten und Automations oder alles bzw. beides. Was „Audio“ bedeutet, ist logisch, also Ton in Form von Sprache oder Sonstigem über ein Mikrofon (z. B. Instrumente). Midi-Noten und Automations habe ich bereits erklärt, hier aber nochmals eine kurze Erklärung, wie man sie aufnimmt. Um ein allgemeines Beispiel zu nennen, das in jeder DAW funktioniert, habe ich den Modus „Alles“ gewählt. Wenn ich nun das Stück oder das leere Projekt spielen lasse (auf Play drücken) kann ich auf einem Midi-Master-Keyboard Noten spielen. Das sendet Signale an die DAW, welche als Noten erkannt werden, und für die gespielten Noten wird ein Midi-Event erstellt. Sollte ich jetzt, während eine Aufnahme läuft, einen Fader oder einen Knob bewegen bzw. drehen, wird auch hierfür ein Midi-Event erstellt. Das bedeutet, dass jedes Mal, wenn die Stelle erreichtist , an der der Fader bzw. Knob bewegt wurde, es analog und automatisch funktioniert. Das sind die Automations.

Dieser Beitrag ist jetzt schon ausführlich genug und beinhaltet erst einmal genug Informationen, die verarbeitet werden müssen. Das ist der erste von mehreren Teilen (wie viele es genau werden, weiß ich noch nicht) zum Thema „Moderne Musikproduktion“. Im nächsten Teil werde ich dann auf meinen persönlichen Lieblingsbereich eingehen, das Mixing – und vielleicht auch das „Mastern“. Dort werden auch die Funktionen von Synthesizern und die wichtigsten Effekt-Plugins genauer erläutert. Auf verschiedene Genres werde ich auch demnächst eingehen, aber alles der Reihe nach.

Ich wünsche euch noch einen schönen Tag, hoffe, ihr freut euch auch auf den nächsten Teil, und habt viel Spaß und Erfolg beim Musizieren!